Das Erbgut der Religionsgemeinschaft der Drusen ist so typisch und einzigartig, dass es sich zur Untersuchung von Krankheiten mit erblichen Faktoren eignet. Das haben Forscher aus Israel herausgefunden. Sie fanden bei den Drusen bei bestimmten genetischen Merkmalen, die ausschließlich über die Mutter vererbt werden, eine genetische Vielfalt, wie sie vor Tausenden von Jahren im Nahen Osten herrschte. Aus dieser Erkenntnis erhoffen sich die Forscher um Liran Shlush vom Technion-Institut in Haifa neue Einblicke in die Vererbung der Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten.
Die Drusen sind eine Religionsgemeinschaft im Nahen Osten. Sie leben heute größtenteils im Libanon, in Syrien und in Israel. In ihrer Studie untersuchten die Forscher das Erbgut von Drusen aus 20 Dörfern in Israel. Sie stießen dabei auf eine bemerkenswerte Vielfalt in der mitochondrialen DNA. Dieser Teil des Erbguts befindet sich in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zelle und damit außerhalb des Zellkerns. Diese mitochondriale DNA wird nahezu ausschließlich über die Mutter weitergegeben.
Hier sehen die Forscher eine einmalige Chance, herauszufinden, wie sich Unterschiede in der mitochondrialen DNA auf die Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten auswirken. Ein Beispiel hierfür ist das sogenannte metabolische Syndrom, das mit Erkrankungen der Herzkranzgefäße in Verbindung gebracht wird. “Bei den Drusen können wir den Einfluss von 150 verschiedenen Arten mitochondrialer DNA innerhalb einer kleinen Gruppe von Menschen untersuchen, die unter ähnlichen Umweltbedingungen lebt”, erklärt Karl Skorecki, einer der beteiligten Forscher. Die mitochondriale DNA der Drusen variiert zwar sehr stark, doch der Rest ihres Genoms ist nicht besonders vielfältig. Das macht es den Forschern umso einfacher, Verbindungen zwischen Krankheiten und Unterschieden in der mitochondrialen DNA zu finden.
Dass die Drusen zu einem derartigen “genetischen Refugium” des Nahen Ostens wurden, wie es die Forscher nennen, erklärt sich mit ihrer Lebensweise. Die religiöse Minderheit bewohnte seit Jahrhunderten abgeschiedene Bergregionen, und zumeist wurde innerhalb des Dorfes oder der näheren Umgebung geheiratet. So lebten die Drusen Jahrtausende von anderen Völkern getrennt, erläutert Skorecki ? eine Aussage, die zu den mündlichen Überlieferungen der Drusen passt, laut denen ihre Abstammungsgeschichte “zehntausende Jahre zurückreicht”.
Liran Shlush (Technion-Institut, Haifa) et al.: PLoS ONE, Bd. 5, S. e2105 ddp/wissenschaft.de ? Michael Böddeker





