Ein neuartiges Gel soll in Zukunft die Heilung von Knorpelverletzungen verbessern: Die außerhalb des Körpers flüssige Substanz enthält körpereigene knorpelproduzierende Zellen und kann genau an die verletzte Stelle gespritzt werden. Durch Bestrahlung mit UV-Licht erstarrt sie zu einer gelartigen Masse und fixiert so die Zellen an ihrem Bestimmungsort. Diese können den neuen Knorpel dann genau dort bilden, wo er benötigt wird. Erste Tests an Mäusen seien bereits sehr vielversprechend verlaufen, berichten Jason Burdick vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) und seine Kollegen in der Fachzeitschrift Biomacromolecules (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1021/bm049508a).
Besonders häufig treten Knorpelverletzungen wie Risse, Prellungen und Abschürfungen am Kniegelenk auf. Bislang werden solche Verletzungen mit Klebern aus Eiweiß, Nägeln oder Schrauben fixiert, damit eine dauerhafte Schädigung des Knorpels verhindert wird. Diese Therapien sie jedoch häufig sehr langwierig und schmerzhaft, und die damit verbundenen Operationen bergen das Risiko von Infektionen oder Wundheilungsstörungen.
Solche Probleme sollen mit dem neuen Gel vermieden werden. Es besteht hauptsächlich aus dem natürlichen Zucker Hyaluronsäure, der im Körper beispielsweise im Glaskörper des Auges, der Gelenkschmiere und in fast allen Bindegeweben vorkommt. Damit die Flüssigkeit auf Licht reagiert, statten die Forscher die Substanz mit chemischen Bausteinen aus, die bei Bestrahlung Quervernetzungen bilden und die Flüssigkeit gelieren lassen. Nach Angaben der Wissenschaftler wird das dabei entstehende Gel vom Körper im Lauf der Zeit abgebaut, so dass nach einer Behandlung nur noch der neugebildete Knorpel übrigbleibt.
Die Forscher sehen viel Potenzial in ihrer neuen Methode. So könnte sie beispielsweise direkt während einer Kniespiegelung angewendet werden und dem Patienten so eine zweite Operation ersparen. Neben der Anwendung bei kleineren Verletzungen sei auf Dauer auch eine Variante der Methode denkbar, die bei großflächigerem Verschleiß den Knorpel wieder aufbaut. Das ist jedoch Zukunftsmusik, warnen die Forscher. Bislang sei nur getestet worden, ob mit der neuen Methode tatsächlich Knorpel aufgebaut werden könne. Bis die Substanz in klinischen Studien erprobt werden könne, würden jedoch noch mindestens fünf Jahre vergehen.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel





