Text: Andrea Stegemann
Tiere haben Wahrnehmungsfähigkeiten oder evolutionär entwickelte „Intelligenzen“, die sie Menschen in manchen Bereichen überlegen machen. Diese wollen Forscher der GAIA-Initiative nun nutzen, um Ökosysteme besser schützen zu können. „Wir haben die GAIA-Projekte als Netzwerk aus tierischer, menschlicher und Künstlicher Intelligenz konzipiert“, sagt Jörg Melzheimer, GAIA-Projektleiter am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW). Die Künstliche Intelligenz soll dabei eine Brücke zwischen der tierischen und menschlichen Intelligenz schlagen.
In einem ersten Projekt sollen in Namibia lebende Weißrückengeier mit neuartigen Tiersendern ausgestattet werden. Die Vögel sind in riesigen Streifgebieten unterwegs, die laut einer Studie bei ausgewachsenen Geiern durchschnittlich 31.500 Quadratkilometer umfassen. Möglich macht diesen weiten Radius ihr energieeffizienter Segelflug; erforderlich ist er wegen ihrer verstreuten und vergänglichen Nahrungsquelle: Aas. Beide Aspekte machen die Geier für die Forscher interessant: als Wächter über ein großes Gebiet und Entdecker toter Tiere.
Denn wenn mithilfe der Geier etwa festgestellt werden kann, dass irgendwo gerade viele Tiere sterben, ist das ein Indiz dafür, dass dort etwas passiert ist. Das kann der Ausbruch einer Krankheit wie Milzbrand sein, oder eine Blaualgenblüte im Wasser, durch die sich Elefanten vergiften – wie vor einigen Jahren in Botswana geschehen.
Neuartige Sender mit Künstlicher Intelligenz
Die Sinnesleistungen und Intelligenz der Geier werden in dem Projekt durch neuartige Tiersender für den Menschen lesbar gemacht. Die Sender werden derzeit von Ingenieuren vom Fraunhofer Institut für integrierte Schaltungen IIS gemeinsam mit Biologen und Tierärzten vom Leibniz-IZW entwickelt. Sie werden am Ende deutlich mehr leisten als die üblichen GPS-Tracker, da sie zusätzlich mit Künstlicher Intelligenz bestückt werden. Die Sender haben dann eine Doppelfunktion. „Wir erfassen nicht nur die Daten, sondern verarbeiten diese auch direkt am Tier über eine sogenannte „sensornahe KI“ erklärt Florian Leschka, Gruppenleiter am IIS.
Im Fall eines Falls erkennt dann die KI per Sensor: „Der Vogel frisst“. Es folgt eine Meldung an die im System integrierte Kamera: „Mach ein Bild“. Dieses Bild besteht aus einer großen Datenmenge, die zu übertragen langwierig und energieintensiv wäre. Deshalb klassifiziert eine Tiererkennungs-KI die Aufnahme: „Das ist ein Zebra“. Die kurze Information „Totes Zebra“ wird dann zusammen mit den GPS-Daten und einem Zeitstempel in Echtzeit per Satellit an die Biologen geschickt.
Warum per Satellit? In der Wildnis gibt es oft keinen Mobilfunk, eine Echtzeitübertragung ist dann nur über einen Satelliten möglich. Und möglichst energiesparend muss es sein, da der Geier den Sender dauerhaft tragen soll und dieser deshalb energieautark funktionieren muss – über Solarzellen mit Batteriespeicher.





