Blick in Gehirn von Freunden
Angesichts dieser Ähnlichkeiten unter Freunden könnte man annhemen, dass es auch auf der Ebene der Wahrnehmung, Gefühle und Gedankenwelt Übereinstimmungen gibt. “Wir sind soziale Wesen und leben unser Leben in enger Verbindung mit anderen”, erklärt Seniorautorin Thalia Wheatley vom Dartmouth College. “Wenn wir wissen wollen, wie das menschliche Gehirn arbeitet, dann müssen wir auch verstehen, wie die Gehirne zusammenarbeiten – wie sie sich gegenseitig prägen.” Ob und wie stark dies bei Freunden der Fall ist, haben die Forscher nun in einem Experiment untersucht. Dafür befragten sie zunächst 279 Studenten nach den sozialen Beziehungen zu ihren Kommilitonen: Mit wem waren sie eng befreundet, mit wem eher lose bekannt? Aus den Antworten rekonstruierten die Wissenschaftler das Netzwerk der Beziehungen unter ihren Probanden.
Nun folgte der eigentliche Versuch: 42 dieser Studenten bekamen jeweils eine Reihe verschiedener Videoclips zu sehen. Deren Inhalte reichten von Ausschnitten aus Komödien über politische Diskussionen, Dokumentationen und Spielfilmen bis hin zu Musikvideos. Ziel war es, mit diesen Filmen ganz unterschiedliche neuronale Reaktionen bei den Teilnehmern hervorzurufen. Während diese die Filme sahen, wurde ihre Hirnaktivität mittels funktioneller Magnetresonanz-Tomografie (fMRT) aufgezeichnet. Die Forscher analysierten nun für 80 verschiedene Hirnareale die jeweilige Aktivität bei den verschiedenen Videos und verglichen, ob sich diese neuronalen Muster bei eng befreundeten Probanden stärker ähnelten als bei nur lose bekannten.
Überraschend deutlicher Zusammenhang
Das Ergebnis: Je enger die Teilnehmer befreundet waren, desto ähnlicher waren auch ihre neuronalen Reaktionen auf die verschiedenen Videos. “Der Zusammenhang von neuronaler Ähnlichkeit und sozialer Nähe ist in seinem Ausmaß erstaunlich”, konstatieren die Forscher. “Mit der Ähnlichkeit in der Hirnaktivität nahm auch die Wahrscheinlichkeit für eine enge Freundschaft dramatisch zu – selbst wenn wir Ähnlichkeiten in demografischen Merkmalen berücksichtigten und herausrechnen.” Der Zusammenhang war sogar so deutlich, dass es den Wissenschaftlern in einem ergänzenden Experiment gelang, die Nähe zweier Personen in einem sozialen Netzwerk allein anhand ihrer Hirnaktivität relativ gut vorherzusagen. Besonders große Übereinstimmungen unter Freunden gab es dabei in Hirnarealen, die für die Verarbeitung von Gefühlen, Erinnerungen und für Motivation und Lernen zuständig sind wie der Amygdala, dem Nucleus accumbens oder dem Putamen. Aber auch in Hirnbereichen, die für die Aufmerksamkeit, die Sprachverarbeitung und übergeordnete Denkprozesse wichtig sind.





