Wissenschaftler in den Vereinigten Staaten planen, schon Anfang nächsten Jahres Querschnittsgelähmten einen kleinen Chip ins Gehirn einzupflanzen, der die Steuerung eines Computers ermöglichen könnte. Eine umfangreiche Versuchsreihe an Primaten wurde bereits erfolgreich abgeschlossen, und nun warten die Forscher auf die Zulassung der amerikanischen Food and Drug Administration. Darüber berichtete das Team auf der Jahrestagung der Society for Neuroscience in New Orleans.
Die Wissenschaftler um John Donoghue von der amerikanischen Firma Cyberkinetics machten sich bei der Konzeption ihres Computerchips die Tatsache zu Nutzen, dass die für motorische Steuerungen verantwortlichen Bereiche des Gehirns bei vielen Querschnittsgelähmten noch aktiv sind. Durch einen Bruch im Rückenmark können diese Signale allerdings nicht an die Extremitäten weitergeleitet werden.
Hier wollen Donoghue und seine Kollegen einen kleinen, mit einhundert Elektroden ausgestatteten Computerchip ins Spiel bringen. Wenn ein derartiger Chip in den passenden Gehirnbereich eines Gelähmten eingepflanzt wird, so kann er die dortigen Gehirnströme empfangen und an einen externen Computer weiterleiten. Auf diese Weise könnte dann etwa der Cursor auf einem Computerbildschirm von dem Gelähmten gesteuert werden.
Donoghue meint, dass ein derartiges System mit entsprechend angepassten Softwareprogrammen die Lebensqualität von Behinderten beträchtlich erhöhen kann. Erste Versuche an Primaten waren in der Tat erfolgversprechend ? die Chips arbeiteten für über zwei Jahre problemlos und konnten zudem einfach ausgetauscht werden. Vielleicht könnte mittelfristig sogar eine ganze Reihe von Haushaltsgeräten mittels drahtloser Signalübertragung gesteuert werden.
Stefan Maier