Weniger Krebs bei Demenz, seltener Alzheimer bei Krebs
Damit war das Krebsrisiko für Alzheimerpatienten tatsächlich nur gut halb so groß wie in der Durchschnittsbevölkerung. Umgekehrt trat Alzheimer bei den Krebspatienten um 35 Prozent seltener auf. Das galt übrigens für alle der zehn häufigsten Krebsarten, wobei einige in der Studiengruppe allerdings so selten waren, dass die statistische Absicherung etwas wackelig gewesen sei, kommentieren die Forscher. Am stärksten ausgeprägt war der Schutzeffekt für Probanden jenseits der 70, am wenigsten bei denen, die gerade 60 geworden waren.
Auch frühere Studien waren schon zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. Laut Musicco und seinen Kollegen hat die neue Erhebung jedoch einige Stärken, die offene Fragen aus den anderen Untersuchungen beseitigten. Da ist zunächst ihre Größe: Nicht einmal in der berühmten Framingham-Studie, die die bisher belastbarsten Ergebnisse zu diesem Thema lieferte, waren so viele Senioren erfasst wie in der aktuellen Erhebung.
Offene Fragen geklärt
Ebenfalls entscheidend: Die Forscher berücksichtigten sowohl einen Zeitraum vor der Diagnose der Krankheiten als auch den danach. Das sei deswegen wichtig, weil es immer wieder den Verdacht gegeben habe, die geringeren Fallzahlen gingen auf übersehene oder falsch gedeutete Symptome zurück, erläutert Musicco. So würden beispielsweise Erinnerungsprobleme bei einem Krebspatienten eher als eine Folge der Krankheit oder der Behandlung interpretiert – die wirkliche Diagnose “Alzheimer” werde in diesen Fällen meist gar nicht gestellt. Da sich das Risiko für die jeweils andere Krankheit vor und nach der Diagnose jedoch nicht unterschied, können die Wissenschaftler einen solchen Effekt in ihrer Studie nun ausschließen.
Auch ein anderes häufiges Argument konnte das Team widerlegen: Die Betroffenen entwickelten nur deswegen die jeweils andere Krankheit seltener, weil sie schlicht vorher stürben. Musicco und seine Kollegen werteten daher die Daten der Probanden, die während der Studienzeit starben, noch einmal extra aus – und konnten keinen signifikanten Unterschied zu denen der Überlebenden feststellen. Allerdings müssen sie auch eine Schwäche ihrer Studie einräumen: Da sie ausschließlich mit bereits gesammelten Daten gearbeitet hätten, sei es nicht möglich gewesen, den Einfluss von Lebensstilfaktoren wie den Body-Mass-Index, den Alkohol- oder Zigarettenkonsum oder den Grad an körperlicher Bewegung einzurechnen. Auch andere Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Beschwerden fanden keine Berücksichtigung.
Steuerung des Zellselbstmordes aus dem Gleichgewicht





