Ihr wissenschaftlicher Name wurde zum Programm: Solenopsis invicta bedeutet „Die unbesiegte Feuerameise“. Die ursprünglich aus Südamerika stammende Art konnte sich nach ihrer Verschleppung durch den Menschen zahlreiche neue Lebensräume erobern. Der erfolgreiche Siegeszug der Roten Feuerameisen basiert dabei auf ihrem aggressiven Verhalten, das sie sowohl gegenüber anderen Ameisen als auch gegenüber dem Menschen zeigen: Wer die Krabbler reizt, bekommt ihre kräftigen Beißzangen und einen Stachel mit starkem Gift zu spüren, das wie Feuer brennt. Dies kann nicht nur sehr schmerzhaft sein, sondern auch zu allergischen Reaktionen bis zum Schock führen.
Im Verlauf der letzten hundert Jahre konnte sich die Rote Feuerameise zunächst in Nordamerika stark ausbreiten und erreichte dann schließlich auch China und Australien. Wie die Erfahrungen zeigen, verdrängen sie in den von ihnen eroberten Gebieten einheimische Ameisenarten, bedrohen viele andere Tiere durch ihren Fressdruck und belästigen Menschen. Die damit verbunden Schäden sind auch ökonomisch gewaltig. Die Feuerameise gilt deshalb als eine der schlimmsten invasiven Arten auf der Welt.

Nun hat es auch Europa erwischt
Überraschenderweise war Europa bisher allerdings von der Invasion verschont geblieben. Doch das hat sich nun geändert. „Seit Jahrzehnten haben Wissenschaftler befürchtet, dass es so kommen würde“, sagt Erst-Autor Mattia Menchetti vom Institut für Evolutionsbiologie in Barcelona. Den möglichen „Brückenkopf“ der Feuerameisen-Invasion in Europa bildet demnach nun die italienische Insel Sizilien. Nachdem die Forscher verdächtige Ameisen-Fotos von dort gesehen hatten, besuchten sie die Region, um die Identität der Spezies zu bestimmen und Proben zu sammeln.
So zeigte sich: Es handelt sich tatsächlich um Solenopsis invicta. Auf einem 4,7 Hektar großen Gebiet bei einem Vorort der Stadt Syrakus fanden die Wissenschaftler insgesamt 88 Nester der Roten Feuerameise. Gespräche mit Einheimischen lieferten dabei Hinweise darauf, wie lange die Invasoren sich dort schon etablieren: „Ihnen waren seltsame Stiche seit mindestens 2019 aufgefallen – die Ameisen sind also wahrscheinlich schon eine Weile dort. Und die tatsächliche Ausdehnung des betroffenen Gebiets ist wohl noch deutlich größer, als bisher bekannt“, sagt Menchetti. Wie und woher die Tiere zum Fundort gekommen waren, bleibt bisher unklar. Möglicherweise waren sie aber über den Hafen von Syrakus auf die Insel gelangt. Eine genetische Untersuchung der Ameisenköniginnen verweist dabei entweder auf einen Ursprung aus den USA oder China.





