Schmetterlingen reicht das vordere Flügelpaar zum Fliegen aus, die beiden Hinterflügel benötigen sie nur für ihre schnelle Manövrierfähigkeit. Das haben Benjamin Jantzen von der Carnegie-Mellon-Universität in Pittsburgh und Thomas Eisner von der Cornell-Universität in Ithaca bei Experimenten herausgefunden, in denen sie den Insekten die hinteren Flügel kappten. Die Falter konnten sich danach zwar noch gut in der Luft halten, erreichten jedoch bei schnellen Richtungswechseln nur noch die halbe Geschwindigkeit.
Obwohl bei Schmetterlingen die Vorder- und die Hinterflügel einzeln aufgehängt sind, sind sie bei vielen Arten mechanisch aneinander gekoppelt und schlagen beim Fliegen synchron auf und ab. Während des Flugs kommt den Hinterflügeln jedoch lediglich die Funktion eines Leitwerks wie bei einem Flugzeug zu, fanden Jantzen und Eisner heraus. Die Forscher hatten für ihre Tests Kohlweißlinge und die nachtaktiven Schwammspinner gefangen, deren Hinterflügel gekappt und den Flug mit zwei Videokameras aufgezeichnet.
Obwohl den Schmetterlingen nun rund die Hälfte der Flügelfläche fehlte, konnten die Schmetterlinge ebenso weit fliegen wie zuvor, beobachteten die Wissenschaftler. Geringer waren lediglich die Geschwindigkeit und die erreichbaren Beschleunigungen, berechneten die Forscher, als sie aus den Kameradaten dreidimensionale Aufzeichnungen der Flugwege anfertigten. Die Tiere waren zwar genauso wendig wie zuvor und konnten den für Schmetterlinge typischen taumelnden Zick-Zack-Kurs einschlagen, jedoch waren sie dabei gezwungen, deutlich langsamer zu fliegen.
Warum, so fragen sich die Forscher, haben die Schmetterlinge so große Flügel entwickelt ? obwohl ihnen im Prinzip auch die Hälfte der Fläche ausreichen würde? Wahrscheinlich stehe dahinter die verbesserte Fähigkeit, durch einen schnellen, taumelnden Flug mögliche Räuber zu verwirren, vermuten die Wissenschaftler. Je schneller die Richtungsänderungen während des Fluges durchgeführt werden könnten, desto effizienter sei diese Technik der Täuschung und Verwirrung.
Mitteilung der Cornell-Universität, Ithaca ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald





