Rauchen ist eine der Hauptgründe für Ausbrüche von Tuberkulose (TB) in Indien. Über siebzig Prozent aller Erkrankungen bei Männern – Frauen rauchen in Indien nur selten – werden durch den Glimmstängel ausgelöst. Unter den männlichen TB-Toten ist Tabak daher für jedes zweite Opfer verantwortlich, berichtet ein internationales Forscherteam im Fachblatt Lancet (Ausg. 362, S. 507).
Nach Schätzungen sind weltweit etwa eine Milliarde Menschen mit dem TB-Erreger infiziert. Die meisten Betroffenen merken davon jedoch nichts, weil ihr Immunsystem die Krankheit unter Kontrolle hat.
Rauchen schwächt jedoch die Körperabwehr der Lunge, so dass die Erreger ein leichtes Spiel haben, berichten die Wissenschaftler um Vendhan Gajalakshmi vom Zentrum für Epidemiologische Studien in Chennai.
Auf die Weise sterben in Indien jedes Jahr etwa 200.000 Menschen. Die Opfer sind oft sehr jung und verlieren im Durchschnitt zwanzig Jahre ihres Lebens, fand Gajalakshmi und ihre Kollegen bei einer Analyse von über vierzigtausend Todesfällen in ihrem Heimatland heraus. Etwa jeder zehnte war an TB gestorben.
Rauchen schwächt Menschen nach Überzeugung des Forscherteams, zu denen auch Wissenschaftler aus England und Kanada gehören, nicht nur in Asien und Afrika. Auch in Europa und Amerika könnte Tabakkonsum die Ausbreitung von Tuberkulose fördern.
ddp/bdw ? Andreas Wawrzinek