In Großbritannien kommen immer mehr Kinder mit Fehlbildungen zur Welt. In den letzten fünf Jahren nahmen einige Defekte in ihrem Erscheinen sogar um 50 Prozent zu, berichtet das Wissenschaftsmagazin “New Scientist”. Schätzungsweise eines von 16 Neugeborenen leidet an Missbildungen, wie Herzfehlern, Deformationen an Gliedern oder Störungen der Sinnesorgane. Für die steigende Zahl von Schäden machen Wissenschaftler Umweltfaktoren verantwortlich.
Wie aktuelle Zahlen der britischen Birth Defects Foundation (BDF) zeigen, stieg die Zahl der Neugeborenen mit Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten von sechs Fällen pro 10.000 Geburten im Jahr 1995 auf neun im Jahr 1999. Angeborene Fehlmündungen der männlichen Harnröhre (Hypospadie) nahmen im gleichen Zeitraum von 7,5 Fällen auf 8,5 Fälle pro 10.000 geborene Kinder zu. Bauchwanddefekte, bei denen die Bauchorgane des Säuglings herausquellen, so genannte Gastroschisis, stiegen von 1,3 auf 1,9 Fälle pro 10.000 Geburten. Michael Patton, medizinischer Leiter des BDF vermutet, dass illegale Drogen eine Rolle spielen: “Gastroschisis kommt häufig bei Säuglingen von Müttern im Teenager-Alter, die in Städten leben, vor. Drogenkonsum während der Schwangerschaft könnte eine Ursache sein.”Weitere Untersuchungen sollen darüber Klarheit bringen. Das verstärkte Auftreten von Hypospadie führen Mediziner auf die Zunahme von Umweltchemikalien zurück, die im menschlichen Körper die Wirkung des weiblichen Sexualhormons Östrogen nachahmen. Die Stoffe binden sich an die Androgenrezeptoren des Fetus und verursachen Abnormalitäten.
Durch verbesserte Schwangerschaftsvorsorge sind einige Geburtsdefekte aber auch im Sinken begriffen. Da schwangere Frauen heute häufig Folsäurepräparate einnehmen, ging die Zahl der Neugeborenen mit Spina bifida, einer komplexen Fehlbildung des Gehirnes und des Nervensystems, um Zweidrittel zurück. Weil Mütter bei der Geburt ihres ersten Kindes heute im Schnitt viel älter sind als früher, steigt das Risiko für Kinder mit Down-Syndrom. Durch Tests wird dies aber meist frühzeitig erkannt und die Schwangerschaft abgebrochen.
Die von der Birth Defects Foundation veröffentlichte Zahl von Fehlbildungen liegt sechsmal höher als die offiziellen Statistiken der britischen Regierung, da auch Defekte erfasst werden, die bei der Geburt nicht direkt sichtbar sind.
Almut Bruschke-Reimer





