Der kleine Gartenschläfer (Eliomys quercinus) ist ein Verwandter des Siebenschläfers und fällt vor allem durch seine schwarze, brillenförmige Kopfmusterung auf, die den Spitznamen „Zorro-Maske“ trägt. Der Nager ist nachaktiv und hält von Oktober bis April einen ausgedehnten Winterschlaf – er macht also seinem Namen alle Ehren. Der Gartenschläfer ist sogar eine kleine Berühmtheit, denn er wurde im Jahr 2022 zum Tier des Jahres gewählt – doch leider aus einem traurigen Grund: Die Bestände dieser heimischen Tierart, die einst in weiten Teilen Europas vorkam, sind in Europa und Deutschland in den vergangenen Jahren drastisch zurückgegangen. Aber warum der Nager in so kurzer Zeit aus vielen Regionen verschwunden ist, gab Naturschützern und Wissenschaftlern ein Rätsel auf.
Wo ist der Gartenschläfer?
Daher haben der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Kooperation mit der Universität Gießen und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung das Projekt „Spurensuche Gartenschläfer“ ins Leben gerufen und konnten nach drei Jahren intensiver Forschung nun Licht ins Dunkel bringen. Untersucht wurden in dieser Zeit alle denkbaren Faktoren, die dem Gartenschläfer zusetzen könnten. Dazu gehörten unter anderem Nahrung, Fressfeinde, Krankheiten, Lebensräume sowie die Verbreitung und das Verhalten der Tiere.
Während Befürchtungen einer genetischen Verarmung, welche die Fortpflanzungsfähigkeit der Tiere beeinträchtigt hätte, sich nicht bestätigten, scheint der entscheidende Faktor eher der Verlust von Lebensraum zu sein: Das kleine Nagetier lebt bevorzugt in vielfältigen Wäldern mit Büschen, Felsnischen, ausreichend Totholz und kleinen Höhlen in Bäumen. Doch das Waldsterben in Folge der Dürrejahre in Verbindung mit der intensiven Forstwirtschaft scheint auch bei dieser Art deutliche Spuren hinterlassen zu haben. „Es fehlt an Nahrung, insbesondere an Insekten, einer der Nahrungsgrundlagen der Gartenschläfer, sowie an Versteck- und Rückzugsmöglichkeiten“, betont Wildtierbiologe Johannes Lang von der Universität Gießen. Auch ein so anpassungsfähiges Nagetier wie der Gartenschläfer findet dann in vielen Regionen Deutschlands keine geeigneten Lebensräume mehr.
Vom Wald in die Stadt
Besonders auffällig war außerdem, dass der Gartenschläfer in einigen Städten im Südwesten Deutschlands recht häufig anzutreffen war, während in vielen seiner natürlichen Lebensräume kaum noch Tiere gefunden wurden. Lang erklärt, dass die Städte entlang des Rheins wie Wiesbaden oder Mainz für den Gartenschläfer offenbar zu einer Art Arche geworden sind, in der er passende Bedingungen zum Überleben findet. Dabei zählt für den Gartenschläfer vor allem ein strukturreicher Lebensraum mit vielen Verstecken, den er anscheinend in einigen Städten nun eher findet als in den von Dürre und Forstwirtschaft beanspruchten Wäldern.





