Ihr erstes Haus bilden die Larven, sobald ihr Darm funktionsfähig ist. Falls sie ihre häuslichen Filteranlagen aufgrund von äußeren Einflüssen verlassen müssen, bauen sie schon innerhalb von sieben bis zwölf Minuten ein neues Netz. Die Hauptfunktion dieser Fangnetze ist daher wohl die Futterbeschaffung, schreibt Pernet. Sie dienten den Larven aber vielleicht auch zu der Erkennung oder Abschreckung von Feinden. Bislang sind solche Häuser zwar nur bei den Ringelwurmlarven bekannt, aber ähnliche durchsichtige Fäden oder Lappen wurden schon bei anderen wirbellosen Larven beobachtet.
Bei den Larven von Meereswürmern kommt das Essen direkt ins Haus: Sie bilden ein durchsichtiges Fangnetz um ihren Körper, das Futter aus dem durchfließenden Meerwasser herausfiltert. Dabei erzeugen sie mithilfe kleiner Härchen Strömungen, die ihnen die Nahrung direkt ins Mäulchen spülen. Über die ungewöhnliche Strategie der Larven bei der Nahrungsbeschaffung berichtet der Biologe Bruno Pernet von der Staatsuniversität von Kalifornien in Long Beach im Wissenschaftsmagazin Science (Bd. 306, S. 1757).
Bei der Aufzucht von Ringelwurmlarven (Pectinaria californiensis) im Labor bemerkte Pernet etwas Ungewöhnliches: Die kleinen Flimmerhaare der Larven waren ständig in Bewegung, und trotzdem bewegten sich die Tiere kaum vorwärts. Wozu diese Aktivität diente, zeigte erst die Zugabe von farbigen Teilchen in das Wasser der Meerestiere: Die Härchen dienten nicht der Fortbewegung, sondern der Futteraufnahme. Die Farbpartikel verfingen sich in einem durchsichtigen Fangnetz, das die Larven um sich herum bilden, und machten es so sichtbar. In diesem hausähnlichen Gebilde erzeugen die Larven mit ihren Flimmerhaaren eine Strömung, die herausgefiltertes Futter direkt in ihr Maul spült. Die Form und Größe der Gebilde ist dabei jeweils vom Wasserdruck abhängig.
ddp/bdw ? Eva Hörschgen





