Im Juni 1991 brach der Vulkan Pinatubo auf der philippinischen Insel Luzon aus. Als zweitstärkster Vulkanausbruch des 20. Jahrhunderts hatte er verheerende Auswirkungen: Lava und Asche ergossen sich in die Umgebung und lagerten sich in über hundert Meter dicken Schichten in den Tälern ab. Später lösten starke Regenfälle Erdrutsche und Ascheströme aus, die über viele Monate anhielten. 800 Menschen verloren ihr Leben und die einst üppigen Wälder in den Zambales-Bergen waren stark beschädigt oder ganz zerstört.
Fahndung in verwüsteter Landschaft
Ob seit der Zerstörung der Landschaft noch Säugetiere auf dem Vulkan Pinatubo leben, haben Wissenschaftler um Eric Rickart vom Natural History Museum of Utah in den Jahren 2011 und 2012 untersucht. Über mehrere Monate hinweg suchten sie dafür an sechs verschiedenen Standorten am Fuß des Feuerbergs sowie bis in rund 1000 Meter Höhe in den ehemals bewaldeten Regionen am Gipfel des Vulkans nach Säugetieren. Daten zu den zuvor auf der Insel lebenden Säugetierfauna gab es kaum. „Die meisten dieser frühen Aufzeichnungen beschrieben heimische Fledermausarten, die in den 1950er Jahren gesammelt wurden”, berichtet Lawrence Heaney vom Field Museum in Chicago. „Aber ein Exemplar war besonders faszinierend: Ein kleines Nagetier, das einzige Exemplar einer neuen Art, die 1962 als Apomys sacobianus, Pinatubo-Vulkanmaus, beschrieben wurde.”
20 Jahre nach dem Vulkanausbruch dieses endemische Nagetier wiederzufinden, hielten die Forscher aber für unwahrscheinlich. Denn bei früheren Forschungen in anderen Regionen auf Luzon hatten sie in den stark zerstörten Wäldern hauptsächlich nicht-einheimische Nagetierspezies entdeckt. „Nach dem Ausbruch des Pinatubo haben wir auf anderen Gipfeln in den Zambales-Bergen nach dieser Maus gesucht, sie aber nicht gefunden”, so Heaney. “Das lässt auf eine sehr begrenzte geografische Verbreitung der Art schließen.“ Deshalb vermutete das Team, dass die auch als Langnasen-Luzon-Waldmaus bezeichnete Art auf der gesamten Insel ausgestorben sein könnte.
Bestens an Störungen angepasst
Die Untersuchungen ergaben: Noch immer war die Landschaft um den Vulkan herum und auf dem Gipfel aufgrund der ständig erodierenden Asche- und Schutt-Ablagerungen sehr unbeständig, sodass nur eine spärliche Vegetation wuchs. Das Erstaunliche jedoch: Bei der Durchsuchung der rauen Landschaft dokumentierten die Wissenschaftler tatsächlich mehrere hundert Säugetiere und konnten sie insgesamt 17 Arten zuordnen. Dabei entdeckten sie entgegen ihren Erwartungen auch die für ausgestorben gehaltene Langnasen-Luzon-Waldmaus – von ihr fanden sie sogar rund 200 Exemplare. Außerdem zählten sie auf allen Höhen verteilt noch vier weitere einheimische und zwei nicht-einheimische Nagetier-Arten. Zusätzlich fanden Rickart und seine Kollegen acht Fledermäuse-Spezies, bei denen mit rund 150 Tiere die meisten Gemeine Kurznasenflughunde (Cynopterus brachyotis) waren, sowie Wildschweine und Hirsche.





