Bäumen auf die Knospen geschaut
Wie sich die nächtliche Lichtverschmutzung auf das Timing von Bäumen auswirkt, haben ffrench-Constant und seine Kollegen nun untersucht. Für ihre Studie nutzten sie die Methode des Citizen Science: Sie baten freiwillige Helfer in ganz Großbritannien in den Jahren von 1999 bis 2011 darum, jeweils zu notieren, wann Stieleiche, Rotbuche, Bergahorn und Esche im Frühjahr begannen, ihr erstes Grün an den Knospen zu zeigen. Um die Lichtverschmutzung an den jeweils georeferenzierten Standorten der Bäume zu bestimmen, verwendeten die Forscher hochauflösende Nachtlichtaufnahmen von Satelliten. Weil auch die Temperatur den Zeitpunkt des Ausschlagens der Bäume beeinflusst, erstellten sie zudem auf Wetterstationen beruhende Temperaturkarten mit fünf Kilometer Auflösung.
Das Ergebnis: Bei drei der vier Baumarten gab es einen deutlichen und signifikanten Effekt des künstlichen Nachtlichts. Je heller ihre Umgebung war, desto früher bildeten Stieleiche, Rotbuche und Esche im Frühjahr das erste Grün. Bei der Esche lagen zwischen den dunkelsten und den hellsten Standorten im Mittel sieben Tage, wie die Forscher berichten. Wie sie betonen, besteht dieser Zusammenhang unabhängig vom Einfluss der Temperatur. Selbst wenn man den Wärmeeffekt städtischer Umgebungen herausrechne, bleibe der Einfluss des Lichts nachweisbar. Nur der Bergahorn, die Baumart, die am frühesten ausschlägt, zeigte weniger deutliche Lichteffekte.
“Diese Ergebnisse bestätigen zum ersten Mal und auf nationaler Ebene einen Zusammenhang zwischen künstlichem Nachtlicht und dem Zeitpunkt des Ausschlagens bei Laubbäumen”, so ffrench-Constant und seine Kollegen. Demnach beeinflusst der Mensch inzwischen nicht nur indirekt durch den Klimawandel den Beginn des botanischen Frühlings, sondern auch direkt durch seine künstliche Beleuchtung, die vielerorts die Nacht zum Tage macht. “Unsere Ergebnisse für die Bäume deuten darauf hin, dass kleinere Pflanzenarten, die unter der Ebene der Straßenlaternen wachsen, sogar noch viel stärker betroffen sein könnten”, sagt ffrench-Constant. Denn diese bekommen in der Regel noch mehr direktes Nachtlicht ab als die größeren Bäume. “Unsere Daten unterstreichen die Notwendigkeit, den Einfluss der künstlichen Beleuchtung auf die Phänologie und die Beziehungen von Arten untereinander weiter experimentell zu untersuchen”, so der Forscher.





