Bakterien könnten künftig helfen, durch Stechmücken übertragbare Krankheiten wie das Dengue-Fieber, Malaria oder das Westnil-Fieber zu bekämpfen: Das sagen australische Forscher, die Mücken mit einem Bakterium infiziert haben, das sonst Taufliegen befällt. Bei den Stechmücken halbiert das Bakterium die Lebenserwartung, so dass der Erreger des Dengue-Fiebers in den Insekten nicht mehr heranreifen kann, wiesen die Forscher in Laborversuchen nach. Gelänge es, dieses Bakterium in großem Stil in die Mückenbestände einzuschleusen, ließe sich das Dengue-Fieber ohne den Einsatz von Insektiziden wirkungsvoll bekämpfen.
Das Dengue-Fieber wird durch Viren ausgelöst, die über Stechmücken wie die
Gelbfiebermücke Aedes aegypti von Mensch zu Mensch übertragen werden. Hat eine Mücke einen Menschen gestochen, benötigen die Viren etwa zwei Wochen, um vom Verdauungssystem zu den Speicheldrüsen der Mücken zu gelangen. Erst wenn sie dort angelangt sind, kann das Virus bei einem erneuten Mückenstich auf den Gestochenen übertragen werden. Das Ziel der Forscher ist daher, die Lebenserwartung der Stechmücken möglichst weit zu reduzieren. Damit wäre eine Übertragung der Krankheit nicht mehr möglich, ohne dass die Mücken ausgerottet werden müssten.
Erreicht werden könnte dieses Ziel mit Hilfe von Wolbachia-Bakterien, die überall auf der Welt in zahlreichen Arten vorkommen und vor allem Insekten befallen. Von einer dieser Arten, Wolbachia pipientis, ist bekannt, dass sie die Lebenserwartung von Taufliegen drastisch reduziert. Da diese parasitisch lebende Bakterienart keine Gelbfiebermücken befällt, passten die Forscher die Bakterien im Labor an diese neuen Wirtstiere an. So konnten sie einen Bakterienstamm heranzüchten, der die durchschnittliche Lebenserwartung weiblicher Stechmücken auf die Hälfte auf etwa drei Wochen reduziert, wiesen sie in ihren Experimenten nach. Damit wäre eine Übertragung zwar nicht ausgeschlossen, doch das Risiko einer Infektion wäre deutlich geringer.
Ob dieser Bakterienstamm jedoch tatsächlich als wirkungsvolles Mittel gegen das Dengue-Fieber eingesetzt werden könnte, ist jedoch noch ungewiss. Zu viele Frage sind noch offen, beispielsweise ob das Bakterium sich in die natürlichen Mückenbestände eingeschleust werden könnte und sich dort auch zuverlässig vermehrt und ausbreitet. Der Ansatz, mit Hilfe von Bakterien die Lebenserwartung der Mücken zu reduzieren, könnte auch bei anderen über Mücken übertragbare Krankheiten verwendet werden, darunter auch bei der besonders gefährlichen Tropenkrankheit Malaria, die von Anophelesmücken übertragen wird.
Conor McMeniman (Universität von Queensland in Brisbane) et al.: “Science” (Bd. 323, S. 141). ddp/wde ? Ulrich Dewald