Als die Syphilis Ende des 15. Jahrhunderts erstmalig in Europa auftauchte, war sie überaus aggressiv. Doch bereits wenige Jahrzehnte danach hatte die Geschlechtskrankheit einen wesentlich milderen Verlauf angenommen. Diese gemäßigte Form setzte sich vermutlich deshalb so schnell durch, weil sie den Erreger weitaus effektiver verbreiten konnte als die ernstere Variante der Krankheit. Diese Theorie erläutert ein britischer Biologe in der Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society: Biology Letters (Online-Vorabveröffentlichung).
Die ersten Fälle von Syphilis traten in Europa im Jahr 1496 auf. Die Betroffenen litten unter starken Gelenkschmerzen, bekamen hässliche Eiterbeulen und verbreiteten einen widerwärtigen Gestank. Diese ernsten Symptome beeinträchtigten die Erkrankten bei der Suche nach einem Sexualpartner. Zudem war es möglichen Geliebten ein Leichtes, deren schlechten Gesundheitszustand zu erkennen und den näheren Kontakt zu meiden.
Somit war diese Variante der Krankheit derart bösartig, dass sie der Verbreitung des Erregers eher Schaden als Nutzen brachte, schreibt Robert Knell von der Universität London. Innerhalb von nur fünfzig Jahren setzte sich daher eine weit mildere Form der Syphilis durch, die sich effektiver verbreiten konnte.
Syphilis wird durch den Erreger Treponema Pallidum hervorgerufen. Es gibt vier verschiedene Ansätze, wie die Geschlechtskrankheit Ende des 15. Jahrhunderts nach Europa gelangte. Der wahrscheinlichsten Theorie nach wurde die Krankheit 1492 von Kolumbus aus der neuen Welt eingeschleppt. Außerdem ist denkbar, dass sie aus Afrika kam, sich aus einer anderen verwandten Krankheit entwickelt hat oder zuvor stets fehldiagnostiziert wurde.
Die heutige Syphilis tritt in drei Stadien auf. Die so genannte primäre Syphilis ist gekennzeichnet durch ein verhärtetes Geschwür in der Nähe des Infektionsherdes ? häufig im Genitalbereich. Dem folgt die sekundäre Syphilis, bei der typischerweise Fieber, Halsschmerzen und Ausschlag auftreten. Nach einer viele Jahre anhaltenden Ruhephase treten bei der tertiären Syphilis mit Nervenschäden und einer Vielzahl an Knoten in allen Körpergeweben die schwerwiegendsten Symptome auf.
ddp/bdw ? Cornelia Pfaff




