Die Wissenschaftler vermuten, dass die männlichen Zwergflusspferde damit die künftige männliche Konkurrenz um weibliche Partner in Schach halten.
Die Frage der Geschlechtsbestimmung der Nachkommenschaft hat Forscher seit je her interessiert, doch trotz tausender wissenschaftlicher Studien ist der Mechanismus, durch den das Geschlechterverhältnis der Nachkommen verschoben wird, noch unbekannt. Von Natur aus haben die Geschlechter bei der Reproduktion Chancengleichheit. Studien haben gezeigt, dass viele Faktoren Einfluss auf die Verschiebung des Geschlechterverhältnisses beim Nachwuchs von Tieren und Menschen haben, wie zum Beispiel der Zeitpunkt der Kopulation, Stress, die Paarungsrate oder Umweltverschmutzung.
Weibliche Tiere setzen aber einen hohen Energieaufwand für die Aufzucht ihrer Jungen ein. Sollte es Mechanismen geben, die das Geschlechterverhältnis beeinflussen können, müssten diese eigentlich beim Weibchen zu finden sein. Bei Säugetieren tragen alle weiblichen Eizellen ein X-Chromosom, während die Spermien des Männchens entweder ein X oder ein Y-Chromosom tragen. Das Geschlecht des Nachwuchses hängt somit von dem männlichen Spermium ab, das die Eizelle befruchtet. Bisher wurde angenommen, dass das Ejakulat etwa die gleiche Anzahl X- und Y-Chromosom-tragender Spermien enthält.
“Während jeder nach dem Mechanismus bei den Weibchen suchte, entschieden wir uns zunächst, den Einfluss der Männchen auf das Geschlecht der Nachkommen zu ermitteln. Durch Anfärben der X-und Y-Chromosomen in den Spermien im Ejakulat mit unterschiedlichen Fluoreszenz-Farben fanden wir heraus, dass es bei allen untersuchten Männchen erheblich mehr Spermien gab, die das X-Chromosom tragen”, sagt der Leiter der Studie, Dr. Joseph Saragusty vom IZW.
“Wenn dieser Mechanismus nicht nur bei Zwergflusspferden auftritt, sondern ein Bestandteil der männlichen Reproduktion im Allgemeinen ist”, ergänzt Dr. Saragusty,” könnte es eine alternative Erklärung für eine Reihe von Verschiebungen im Geschlechterverhältnis bei Populationen – wie zum Beispiel den Überhang von männlichen Geburten beim Menschen – liefern, welche bisher allein den Weibchen zugeschrieben wurde.”





