Im Alter wird das Immunsystem schlechter, das ist eine ziemlich unumstößliche Tatsache. Deswegen sind ältere Menschen meist anfälliger für Infektionen, aber auch für Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Und das Risiko für Autoimmunkrankheiten steigt ebenfalls im Alter. Schuld daran sind vor allem die T-Zellen, wissen Forscher aus Tierversuchen: Diese weißen Blutkörperchen patrouillieren im Körper und greifen alles an, was nicht direkt als körpereigen erkannt wird. Das können Viren und Bakterien genauso sein wie veränderte Körperzellen, die auf dem Weg sind, zu bösartigen Zellen zu werden. Im Alter lässt dann offenbar sowohl die Schlagkraft als auch die Anzahl der T-Zellen nach.
Einfach nur ein älteres Immunsystem?
Beim Menschen gibt es zwar ähnliche Ergebnisse. Da dort aber die T-Zell-Funktion extrem stark von Mensch zu Mensch schwankt abhängig von früheren und aktuellen Erkrankungen, den Lebensumständen und allen möglichen anderen Faktoren lassen sich diese Trends nicht ganz so gut darstellen. Was man jedoch weiß: Die Konzentration der Botenstoffe, die das Immunsystem zum Kommunizieren nutzt, nimmt mit dem Alter ab. Gleichzeitig steigt die Menge der Antikörper an. Ob das jedoch bei Frauen anders verläuft als bei Männern, war bisher völlig unklar. Sollte das aber so sein, wäre das eine bestechend einfache Erklärung für die längere Lebenserwartung von Frauen, merken die japanischen Wissenschaftler an.
Deswegen untersuchten sie in der aktuellen Studie insgesamt 162 Männer und 194 Frauen im Alter zwischen 20 und 90 Jahren und bestimmten in deren Blut verschiedene Immunmarker. Die Ergebnisse wiesen im Großen und Ganzen tatsächlich in die Richtung, die die Forscher vermutet hatten: Zwar nahm die Gesamtzahl an weißen Blutkörperchen bei beiden Geschlechtern mit dem Alter ab, dieser Rückgang war bei Frauen jedoch deutlich weniger ausgeprägt als bei Männern. Betrachtet man die einzelnen Untergruppen der weißen Blutkörperchen, werden die Unterschiede noch deutlicher. Die einzigen Zellen, die bei beiden Geschlechtern etwa gleich stark abnehmen, sind die sogenannten Fresszellen.
Der Abstieg ist weniger steil
Die Anzahl der B-Zellen, die unter anderem für die Antikörperproduktion zuständig sind, ging bei Frauen dagegen weniger zurück als bei gleichaltrigen Männern. Gleiches gilt auch für einige der bereits erwähnten T-Zellen. Andere T-Zell-Varianten nahmen bei älteren Frauen sogar zu, während ihre Zahl bei Männern abfiel. Die dritte Zell-Art, die die Forscher betrachteten die natürlichen Killerzellen war dagegen bei beiden Geschlechtern im Alter häufiger vertreten, allerdings war auch hier wieder der Anstieg bei den Frauen größer als bei den Männern. Männer mussten zudem noch mit einer drastischen Abnahme der roten Blutkörperchen im Alter zurechtkommen. Sie besitzen allerdings prinzipiell so viel mehr davon als Frauen, dass sich die Mengen irgendwann angleichen.
Zusammenfassend könne man sagen, dass das Immunsystem von Frauen tatsächlich länger jung bleibt als das von Männern, so das Fazit der Forscher. Der Unterschied beträgt ihren Berechnungen nach etwa sechs Jahre also ungefähr so viel, wie sich auch die Lebenserwartung unterscheidet. Verantwortlich für diesen Unterschied ist nach Ansicht des Teams vor allem das Östrogen. Denn nach der Menopause, wenn die Östrogenproduktion deutlich abnimmt, entwickeln viele Frauen plötzlich mehr Infektionen und Krebserkrankungen als vorher. Möglicherweise bremst das Hormon also das Altern des Immunsystems und verschafft den Frauen so einen Vorteil, erläutert das Team. Immunologische Werte könnten sich daher möglicherweise prima als Marker für dieses biologische Alter eignen, spekuliert es.





