Häufig stehen die Wirbeltiere im Fokus unserer Aufmerksamkeit – doch quantitativ betrachtet ist ein anderer Tierstamm auf der Welt deutlich bedeutender: Etwa 80 Prozent aller heutigen Tierarten sind Gliederfüßer (Arthropoda). Zu ihnen gehören die Insekten, Krebstiere, Tausendfüßer und Spinnentiere. Die Entwicklungsgeschichte dieser Wesen reicht weit zurück und umfasste dabei auch heute ausgestorbene Gruppen wie die Trilobiten und Seeskorpione. Was alle Gliederfüßer auszeichnet, ist ein Außenskelett sowie ein Körperbau, der durch Segmente geprägt ist.
Dieses Konzept ist eher für kleinere Körper vorteilhaft, deshalb sind und waren die meisten Vertreter der Gliederfüßer vergleichsweise klein. Als fossile Extrembeispiele für die obere Grenze bei den marinen Gliedertieren gelten dabei die Seeskorpione und bei den landlebenden Arthropoden standen bereits die Arthropleura an der Spitze: Diese Tausendfüßer-artigen Wesen lebten im Karbonzeitalter und starben dann wohl im Verlauf des Perms aus. Funde von Teilen dieser Lebewesen sowie ihnen zugeordnete Spuren legten bereits nahe, dass sie Längen über zwei Meter erreicht haben könnten. Die nun neuentdeckten Überreste eines Arthropleura aus der Zeit vor rund 326 Millionen Jahren sind allerdings deutlich größer als die bisher bekannten und erweitern damit die Skala erneut.
Ein Rekord-Exemplar zeichnet sich ab
Das Fossil wurde in einem großen Sandsteinblock entdeckt, der von einer Klippe auf den Strand von Howick Bay in Northumberland gefallen ist. “Es war ein absoluter Zufallsfund”, sagt Erstautor Neil Davies von der University of Cambridge. “Durch den Sturz war der Brocken aufgebrochen, wobei das Fossil perfekt freigelegt wurde, sodass es per Zufall im Vorbeigehen entdeckt werden konnte“. Dabei zeichnete sich bereits ab, dass es sich um einen buchstäblich großen Fund handelt. Deshalb wurde das Fossil zur genaueren Untersuchung nach Cambridge gebracht.
Dort ergaben die Analysen der Paläontologen, dass es sich um ein etwa 75 Zentimeter langes Stück des Außenskeletts eines Arthropleura handelt. Bisher sind zwei vergleichbare Funde bekannt, sagen die Wissenschaftler. Doch die Überreste aus der Howick Bay stammen von einem deutlich größeren Exemplar. Durch Schätzungen anhand der Proportionen der gefundenen Segmente kamen die Forscher auf eine Breite von über einem halben Meter. Davon leiten sie wiederum eine Gesamtlänge des Tieres von bis zu etwa 2,60 Metern ab. Was das Gewicht betrifft, ergaben Hochrechnungen auf der Basis der Merkmale von heutigen großen Tausendfüßer-Arten eine Masse von etwa 50 Kilogramm. Vergleiche mit Einschätzungen von Maximalgrößen und -gewichten von anderen riesenhaften Gliederfüßern legen damit nahe, dass Arthropleura möglicherweise nicht nur der größte Land-Arthropode aller Zeiten war, sondern der größte Vertreter dieser Tiergruppe insgesamt.





