Ein internationales Forscherteam hat unter hohen Sicherheitsvorkehrungen ein gentechnisch verändertes Ebola-Virus hergestellt. Mit ihm möchten die Virologen neue Strategien zur Vorbeugung und Behandlung von Ebola entwickeln. Die Experten konnten bereits jetzt schon bislang unbekannte Wechselwirkungen zwischen Körperzellen und dem Erreger erkennen, berichten die Forscher der Universitäten von Marburg und Lyon. Die Arbeit stellt “Science-Express”, das Online-Magazin des US- Fachjournals “Science” am Freitag vor.
Die Forscher veränderten zunächst das Viren-Erbmaterial. Dieses schleusten sie in Affennierenzellen ein, mit deren Hilfe die kompletten neuen Viren entstanden. Zur Entwicklung wendeten sie erstmals eine spezielle Technik bei Filoviren an, zu denen auch das gefährliche Marburg-Virus zählt. Es löst ebenfalls ein mit Blutungen einhergehendes Fieber aus.
Das natürliche Ebola-Virus besitzt an der Oberfläche so genannte Glycoproteine, Eiweiße mit Zuckerketten. Sie sind dafür zuständig, dass das Virus an den Körperzellen anhaftet, erklärte Mitautorin Elke Mühlberger von der Universität Marburg. “Die Strategie des Virus ist, dass die Zelle den Erreger vermehrt, bis sie selbst stirbt.”
Da das künstlich hergestellte Virus mehr Proteine dieser Art besitzt, werde der Regulationsmechanismus zwischen Erreger und Zelle außer Kraft gesetzt. “Die Balance ist gestört”, erläutert Mühlberger. Durch das künstlich hergestellte Ungleichgewicht sterben die Zellen früher ab. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Virus gefährlicher als sein natürlicher Verwandter ist, sei aber eher gering, sagte Mühlberger.
Die Leitung der Versuche hatte der Russe Viktor Volchkow, der gerade an der University Claude Bernard in Lyon arbeitet. Zur Herstellung nutzten die Wissenschaftler die Technik der so genannten Reversen Genetik. Dabei wird zunächst das Virengemon (eine RNA) in Erbgut, dass die Zelle versteht (DNA) umgeschrieben. Auf der DNA- Ebene fügen die Forscher Veränderungen ein und lassen es dann wieder in Virenerbgut (RNA) zurückschreiben. “Erstmals wurde Reverse Genetik für die Erforschung der Filoviren, wie Ebola verwendet”, sagte Mühlberger.
dpa





