Ein amerikanisch-chinesisches Forscherteam hat im Bauch einer Frau drei Embryonen heranwachsen lassen, deren Erbmaterial von einem Mann und zwei Frauen stammte. Ein Embryo, dessen Herzschlag bereits deutlich zu hören war, trieben Ärzte zum Schutz der Mutter ab. Die beiden anderen Embryonen gingen jedoch nach der 24. und 29. Woche von alleine zugrunde. Das berichtet Der Online-Dienst des Fachmagazins “Nature”.
Die Forscher um James Grifo von der Universität New York verwendeten bei der Befruchtung eine Technik, die in den meisten westlichen Ländern verboten ist. Zunächst hatten sie in einem üblichen Verfahren mehrere Eizellen der Mutter im Reagenzglas mit Spermien des Vaters befruchtet. Anschließend isolierten sie die Kerne befruchteter Zellen und setzten sie in befruchtete und entkernte Eizellen einer zweiten Frau.
Auf diese Weise sollte angeblich das Heranreifen des Embryos gesichert werden. Die leibliche Mutter der Embryonen hatte schon mehrere erfolglose Versuche einer künstlichen Befruchtung hinter sich. Nach einer Vermutung von Wissenschaftlern kann daran defektes Erbmaterial schuld sein, dass sich nicht im Zellkern befindet, sondern in den so genannte Mitochondrien. Das sind die als Energielieferanten dienenden Kraftwerke der Zelle. Indem der befruchtete Kern der Eizelle in eine zweite Zelle transferiert wurde, sollte dieses Hindernis umgangen werden. Auf diese Weise entstanden tatsächlich eine Reihe von Embryonen, die ihr Erbmaterial von insgesamt drei Menschen enthielten. Fünf Embryonen wurden der Mutter eingepflanzt, von denen zunächst drei überlebten, wie die Ärzte an den Herztönen feststellen konnten.
Die Technik des Kerntransfers ist in den USA verboten. Sie wurde entwickelt, um von Tieren Klone zu erschaffen. Eine lange Reihe von Fehlschlägen und missgeborenen Tieren lässt jedoch an der Sicherheit der Kerntransfers zweifeln. Bisher ist zudem noch nicht erforscht, was es für einen Menschen bedeuten könnte, das Erbmaterial von zwei Frauen zu erhalten.
Zahlreiche Forscher kritisieren denn auch das Vorgehen ihrer Kollegen. “Es ist kaum zu glauben. Normalerweise würde man mit so etwas nicht durchkommen”, zitiert “Nature” den Reproduktionmediziner Allan Templeton von der Universität Aberdeen. Auch die medizinische Begründung sei äußerst zweifelhaft, so Templeton. Für die betroffene Frau wären wahrscheinlich weitere Versuche einer konventionellen künstlichen Befruchtung sinnvoller gewesen.
ddp/bdw ? Andreas Wawrzinek





