Womöglich hängt Autismus mit einer Autoimmunerkrankung des Darms zusammen. Darauf weisen Studienergebnisse einer englischen Forschergruppe hin, die eine häufig auftretende Darmerkrankung bei autistischen Kindern untersuchte. Die überraschende Entdeckung veröffentlichte das Team am 29. April in der Fachzeitschrift Molecular Psychiatry.
Bis heute streiten sich Forscher, ob Autismus eine eigenständige Krankheit oder das Resultat einer Reihe verschiedener krankhafter Veränderungen ist. Ebenso ungeklärt bleibt der Anteil genetischer und umweltbedingter Einflüsse auf den Autismus.
Torrente und seine Kollegen von der Royal Free & University College Medical School untersuchten eine neuartige entzündliche Darmerkrankung bei autistischen Kindern mit Asperger-Syndrom. Hierbei fanden sie Hinweise auf eine Autoimmunerkrankung. Die betroffenen Kinder besaßen spezifische Antikörper gegen körpereigene Zellen der Darmschleimhaut. Zudem tummelte sich eine erhöhte Anzahl von T-Zellen in der entzündeten Darmwand und die Zellteilungsrate in der Darmschleimhaut war erhöht. Betroffen war insbesondere der Dickdarm. Die Autoren fanden bei nicht-autistischen Kindern kein ähnliches Muster an Symptomen, weder bei geistig zurückgebliebenen noch bei Kindern mit der entzündlichen Darmerkrankung Zöliakie.
Inwieweit die Autoimmunerkrankung und Autismus ursächlich zusammenhängen, konnten die Autoren nicht beantworten. Jedoch berichtete eine andere Forschergruppe, dass sich die geistigen Fähigkeiten einiger autistischen Kinder deutlich besserten, nachdem ihre Darmentzündung behandelt worden war. Sollte sich herausstellen, dass die Autoimmunantwort zum Autismus beiträgt, könnten daraus neue Behandlungsmöglichkeiten für autistische Kinder erwachsen. Insbesondere Kinder mit Asperger-Syndrom könnten hiervon profitieren, denn bei dieser milden Form setzen die autistischen Symptome erst im zweiten bis dritten Lebensjahr ein. Möglicherweise lässt sich die Krankheit im Anfangsstadium noch bekämpfen, schreiben die Forscher.
Markus Batscheider





