Noch ist es ein mühsames und wenig effizientes Unterfangen, Tiere gezielt mit neuen Genen auszustatten. Jetzt hat, wie das Wissenschaftsjournal New Scientist berichtet, das kalifornische Biotech-Unternehmen Tosk eine überraschend einfache und wirksame Methode zur Erzeugung solcher transgenen Tiere entwickelt. Allerdings sind die Ergebnisse bisher weder in einem Fachjournal veröffentlicht noch von anderen Laboren bestätigt worden.
Um transgene Säugetiere herzustellen, injiziert man das ausgewählte Gen in Eizellen und hofft, dass es in die Chromosomen eingebaut wird. Aber nur in einem Bruchteil der Fälle entwickeln sich daraus die gewünschten genetisch veränderten Tiere. Firmengründer Patrick Fogarty, zuvor Wissenschaftler an der Stanford University, vereinfachte dieses Verfahren, indem er eine neuartige Genfähre konstruierte, die den Tieren einfach durch eine Injektion verabreicht werden kann.
Als Transportvehikel benutzte er ein Transposon der Fruchtfliege. Transposons, auch als “Springende Gene” bezeichnet, sind DNA-Abschnitte, die ihre Position innerhalb der Chromosomen verändern können. Im einfachsten Fall bestehen sie aus einem für das Aus- und Einschleusen notwendigen Gen, das von speziellen Erkennungssequenzen flankiert wird. Für sein Verfahren baut Fogarty das zu übertragende Gen in ein modifiziertes Transposon ein. Eine große Zahl dieser DNA-Stücke wird dann in Fettkügelchen eingeschlossen und Tieren beiderlei Geschlechts injiziert. Nach einigen Wochen sei das fremde Gen dann in zahlreichen Zellen verschiedener Gewebe nachweisbar, sagt Fogarty.
Dabei würden auch einige Keimzellen genetisch verändert. Ein Teil der natürlich gezeugten Nachkommen dieser Tiere entsteht daher aus der Verschmelzung von genetisch veränderten Ei- und Samenzellen und trägt das neue Gen in jeder Körperzelle. In Versuchen mit Mäusen sei es nach Angaben von Fogarty auf diese Weise gelungen, vierzig Prozent des Nachwuchses mit dem Fremdgen auszustatten ? eine bisher nie erreichte Erfolgsquote.
Inzwischen sollen erste Versuche mit Kühen, Ziegen und Schweinen angelaufen sein. Abgesehen von der Erzeugung transgener Tiere für die Forschung und zu kommerziellen Zwecken, könnte eine derart effiziente Genfähre möglicherweise auch für die Gentherapie beim Menschen Verwendung finden.
Joachim Czichos





