Ein einfacher Bluttest könnte schwangeren Frauen in Zukunft helfen, das Risiko einer Fehlgeburt abzuschätzen: Australische Forscher entdeckten, dass Frauen schon Wochen vor einer Fehlgeburt deutlich weniger des Eiweißstoffs MIC 1 im Blut haben als Frauen, deren Schwangerschaft normal verläuft. Das berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin Lancet (Bd. 363, S. 129).
Etwa 10 bis 15 Prozent aller Schwangerschaften enden in so genannten spontanen Fehlgeburten, ohne dass die betroffenen Frauen vorher Schmerzen oder andere Warnsignale verspüren. Eine Gefahrenquelle scheint dabei das mütterliche Immunsystem zu sein: Störungen dieses Systems können nach Ansicht von Wissenschaftlern zu einer Abstoßung des Embryos führen und so die Fehlgeburt auslösen. Bislang gibt es für Ärzte keine Möglichkeit, das Risiko einer solchen spontanen Fehlgeburt schon zu Beginn der Schwangerschaft abzuschätzen.
Möglicherweise bietet jedoch die Entdeckung von Stephen Tong und seinen Kollegen von den Universitäten in Sydney und Victoria Frauen in Zukunft eine solche Diagnosemethode. Die Wissenschaftler untersuchten Blut von etwa dreihundert Probandinnen im ersten Drittel der Schwangerschaft. Ein Drittel dieser Frauen erlitt später eine Fehlgeburt. Im Blut genau dieser Gruppe fanden die Forscher deutlich verminderte Konzentrationen des Proteins MIC 1. Dieser geringere Wert war unabhängig davon, ob die Fehlgeburt erst Wochen später oder bereits kurz nach der Blutabnahme auftrat.
Die Ergebnisse bestätigten die Theorie, ein gestörtes Immunsystem sei die Ursache vieler spontaner Fehlgeburten, schreiben die Wissenschaftler, da auch MIC 1 eine wichtige Rolle bei der Regulation der Immunantwort spiele. Bislang sei jedoch noch unklar, ob die Abnahme der MIC 1-Konzentration eine Folge dieser Immunstörung oder deren Ursache ist.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel





