Ein einzelnes Gen bestimmt, ob Menschen Rechtshänder oder Linkshänder sind ? und in welche Richtung sich ihre Haare kräuseln. Diese gewagte Theorie stellt der Genetiker Amar Klar auf, nachdem er Menschen und ihre Haare an Flughäfen und in Einkaufszentren beobachtet hatte. Das meldet der Onlinedienst der Fachzeitschrift “Nature”.
Bei seinen Streifzügen bemerkte Amar Klar vom Krebsinstitut in Frederick (USA), dass sich bei über 95 Prozent der Rechtshänder, die nicht langhaarig oder kahl waren, die Haare rechtsherum lockten. Nach dieser Beobachtung achtete er verstärkt auf die Locken von Links- und Beidhändern ? und konnte keine bevorzugte Lockenrichtung entdecken.
Das konnte kein Zufall sein, dachte Klar. Für den Wissenschaftler stand fest, dass ein einzelnes Gen für diesen Zusammenhang verantwortlich sein müsse, das in den Varianten “Rechts” oder “Zufall” vererbt werden könne. Die Kombination dieser Varianten im Erbgut bestimme, ob ein Mensch rechts-, links- oder beidhändig ist: Mit einer oder zwei Kopien der “Rechts”-Form würden sich die Rechtshändigkeit damit die rechtsgeringelten Locken durchsetzen, so der Genetiker. Bekomme ein Kind jedoch zwei “Zufall”-Kopien vererbt, könne es entweder Rechtshänder mit Locken im Uhrzeigersinn sein ? oder Linkshänder mit zufällig gekringelten Haaren.
Während einige Wissenschaftler wie der Genetiker Ralph Greenspan aus Kalifornien die Entdeckung als eines der aufregendsten Ergebnisse seit längerer Zeit bezeichneten, ist die Mehrheit eher skeptisch. Clyde Francks von der Universität in Oxford ist beispielsweise davon überzeugt, dass das Zusammenspiel vieler Gene die Bevorzugung einer Hand bestimmt. Amar Klar ist jedoch sicher, dass mit seiner Theorie alle offenen Fragen geklärt werden können, beispielsweise warum zwei linkshändige Eltern ein rechtshändiges Kind haben können oder eineiige Zwillinge nicht immer die gleiche Hand bevorzugen.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel





