Amerikanische Forscher haben in den Gehirnen homosexueller Schafböcke eine Auffälligkeit gefunden, die der Grund für ihre sexuelle Orientierung sein könnte. Die Entdeckung sagt möglicherweise auch etwas über das Sexualleben anderer Säugetiere einschließlich des Menschen aus, berichteten die Wissenschaftler auf einem Treffen der “Society for Neuroscience” in Orlando.
Die Hirnforscher um Kay Larkin von der Gesundheits-Universität in Oregon hatten die Gehirne von 27 Schafen miteinander verglichen. Darunter waren neun Böcke, die Weibchen verschmähten und nur auf andere Böcke sexuell reagierten. Unter Hausschafen ist etwa jeder dreizehnte Bock homosexuell.
Bei den homosexuellen Tieren fanden die Forscher, dass eine bestimmte Region tief im Gehirn, der so genannte “präoptische Hypothalamus”, auffällig groß ist. Vom Hypothalamus ist schon lange bekannt, dass er an der Triebregulation teilnimmt. Außer in der präoptischen Region fanden die Forscher im Hypothalamus jedoch keine Unterschiede zwischen homosexuellen und heterosexuellen Tieren.
Larkin und seine Kollegen hoffen, dass ihre Ergebnisse auch etwas über die Sexualität des Menschen aussagen. Bisher sind die Forscher jedoch vorsichtig mit entsprechenden Schlüssen. Beim Menschen ist die präoptische Region zum Beispiel bei intimen Körperkontakt aktiv. Wird die Region durch einen Schlaganfall geschädigt, kann der Betroffene seine sexuellen Neigungen verlieren.
Als nächstes wollen die Forscher untersuchen, ob die Unterschiede im Gehirn der Schafe eine hormonelle Ursache während der Embryonalentwicklung haben. Viele Forscher vermuten auch beim Menschen Vorgänge im Mutterleib, die die spätere sexuelle Orientierung bestimmen.
ddp/bdw – Andreas Wawrzinek





