Erwachsene können eine neue Sprache so gut beherrschen lernen wie ihre Muttersprache. Darauf deuten Experimente deutscher und amerikanischer Hirnforscher hin. Die Sprachkenntnisse und nicht das Alter beim Erwerb würden entscheiden, ob eine neue Sprache zur Muttersprache wird, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin “Proceedings of the National Academy of Sciences” (Bd. 99, S. 529).
Das Team um Angela D. Friederici vom Max-Planck-Institut für neuropsychologische Forschung in Leipzig brachte Erwachsenen eine Kunstsprache aus 14 Wörtern und wenigen Regeln bei. Die Probanden hatten die Fremdsprache bis zur Perfektion einzustudieren. In Aufzeichnungen der Hirnaktivitäten zeigte sich danach, dass die Studienteilnehmer die Kunstsprache im Gehirn wie ihre Muttersprache verarbeiteten. Bei den Versuchen reagierten sie auf Fehler im Satzbau mit einem für Muttersprachler typischen Hirnaktivitätsmuster, fanden die Forscher.
Bislang gingen Wissenschaftler von einer so genannten kritischen Phase aus: Demnach ist es nur in frühen Lebensjahren möglich, Muttersprachen zu erwerben, die man später “automatisch” spricht. Mit einer erweiterten Kunstsprache wollen die Forscher nun herausfinden, weshalb Erwachsene dennoch mehr Mühe haben eine Sprache zu lernen als Kinder.
ddp/bdw – Marcel Falk





