Mitunter wünscht es sich jeder von uns: Zu schlafen, wenn man dazu Zeit hat. Wissenschaftler untersuchen nun ein Medikament, das Schlaf unnötig machen könnte.
Das Medikament “Modafinil” wird bisher zur Behandlung von Narkolepsie eingesetzt. Narkolepsie, auch Schlafkrankheit genannt, ist eine von unkontrollierbarer Schläfrigkeit und häufigen Tagesschlafanfällen charakterisierte Krankheit. Forscher im Schlaflabor des Rush-Presbyterian-St. Luke’s Medical Center in Chicago erforschen nun auch die Möglichkeit, dass gesunde Personen, wie etwa Schichtarbeiter, die Tablette nehmen könnten, um wach zu bleiben und konzentriert weiter arbeiten zu können. Andere Medikamente, die entwickelt wurden um Menschen wach zu halten, wie etwa Amphetamine, machen die Anwender oft nervös und ängstlich.
Dass Modafinil auch bei gesunden Menschen wirkt, beweist eine Studie von Charles Czeisler aus Harvard und David Dinges, einem Schlafforscher an der University of Pennsylvania. Für diese Untersuchung bekam ein Teil von 16 gesunden Testpersonen Modafinil und der Rest nahm ein Placebo ein. Im Verlauf der Studie sollten die Teilnehmer erst für 28 Stunden überhaupt nicht und dann in einem unnatürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus schlafen. Die Testpersonen, die das Modafinil genommen hatten, waren bei Prüfungen während der Wachzeiten konzentriert und aufmerksam, während die, die das Placebo genommen hatten, eine merklich höhere Fehlerrate zeigten.
Man weiß allerdings noch nicht genau, was das Medikament Modafinil bewirkt. Es scheint bestimmte Neurotransmitter, Orexine, durch deren Mangel Narkolepsie verursacht wird, zu ersetzten. Die Wissenschaftler wissen jedoch nicht, wie das geschieht. Überdies ist nicht viel darüber bekannt, wie das Medikament auf Menschen wirkt, die kein Orexin Problem haben.
Deswegen warnen Schlafforscher, obwohl sie die Wirksamkeit des Medikamentes bei Narkolepsie anerkennen, es bei gesunden Personen einzusetzen, nur damit diese mehr arbeiten können und weniger Schlaf brauchen. “Es scheint drastisch zu wirken”, sagt Thomas Scammell, Schlafforscher am Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston. “Auch wenn das Medikament sicher zu sein scheint, bringt es wahrscheinlich die Schlafbedürfnisse des Körpers gefährlich durcheinander. Schlafmangel hat, neben den offensichtlichen Wirkungen auf die geistigen Fähigkeiten, also die nachlassende Konzentration, der Modafinil entgegenzuwirken scheint, einen schädigenden Einfluss auf das Immunsystem.”
Auch Rosalind Cartwright, eine Schlafforscherin vom Rush-Presbyterian-St. Luke’s Medical Center in Chicago, warnt vor einem Einsatz des Medikamentes: “Niemand weiß etwas über die Langzeitfolgen. Meiner Meinung nach sind wir als Kultur überarbeitet und zu wenig ausgeruht”, sagte sie. “Wir missbrauchen den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus und nun scheint es sich zu rächen.”
Nicole Waschke





