Wissenschaftler des Polytechnischen Instituts von Palaiseau in Frankreich haben herausgefunden, wieso Küstenlinien ein fraktales Muster aufweisen. Diese chaotische, kantige Struktur dient demnach zur Dämpfung der auf die Küste auftreffenden Wellen des Meeres. Darüber berichten die Forscher in einer Vorabveröffentlichung ihrer Studie auf dem Los Alamos Preprint-Server.
Dass die Umrandungen von Küsten eine fraktale Struktur aufweisen, ist bereits seit vielen Jahrzehnten bekannt. Sowohl von einem Ballon aus einer Höhe von nur wenigen Hundert Metern, von einem Flugzeug oder gar von einem Satellit aus betrachtet, weist die Grenze zwischen den Land- und Wassermassen eine kantige, verästelte Geometrie auf.
Bernard Sapoval und seine Kollegen haben nun durch umfangreiche Computersimulationen herausgefunden, wieso dem so ist. Ihrer Studie nach wird selbst eine anfangs glatte Küstenlinie im Laufe der Zeit durch die Erosionskräfte der Wellen in eine fraktale Form verwandelt. Die Forscher haben auch herausgefunden, warum am Ende immer ein Fraktal herauskommt ? diese Form ist am besten zur Dämpfung der Wasserwellen geeignet und verringert somit deren Erosionswirkung.
Auch wenn die Wissenschaftler in ihrem Computermodell derzeit noch wichtige Faktoren wie etwa die Auswirkungen von Flussdeltas auf Küsten ausklammern, meint Sapoval die entscheidende Ursache für die Form von Küsten gefunden zu haben. Diese widersetzen sich somit auf natürliche Weise der sie zerfressenden Erosion ? durch Ausbildung einer fraktalen, der Erosion entgegenwirkenden Struktur.
Stefan Maier





