Nahezu alle für das Sehen verantwortlichen Gene sind identifiziert, berichten amerikanische Forscher in der renommierten Fachzeitschrift “Cell” (Bd. 107, Nr. 4). Die Entdeckung könnte helfen, Diagnosen und Behandlungsmethoden von Augen-Krankheiten zu verbessern, hoffen die Wissenschaftler.
Die Forscher um Connie Cepko von der Harvard Medical School benutzten ein Computerprogramm, um Schnipsel des Genmaterials von der Netzhaut von Mäusen mit den großen Gendatenbanken des “Maus -” und des “Human Genom Projektes” zu vergleichen. Dabei fanden sie etwa 300 Gene, die Informationen für die Photorezeptoren der Netzhaut enthielten ? fünfmal mehr, als bisher bekannt waren. Davon sind 264 neu entdeckte Gene, von denen 241 eine Entsprechung im Menschen haben. “Damit sind die Photorezeptoren der am besten charakterisierte Zelltyp des Körpers”, sagt Cepko.
Die Photorezeptoren in der Netzhaut des Auges ? die am Tag aktiven Zapfen und die bei wenig Licht aktiven Stäbchen ? sind anfällig für eine Reihe vererbbarer Krankheiten wie etwa Retinitis Pigmentosa und andere Netzhautdegenerationen. Viele dieser Augenkrankheiten können zur Erblindung führen. Allein die Makuladegeneration, bei der die Stelle des schärfsten Sehens ? der gelbe Fleck ? verfällt, betrifft ein Viertel aller Menschen über 75.
“Je mehr wir darüber wissen, wie die Gene arbeiten, desto eher werden wir Wege finden, Krankheiten zu behandeln oder gar völlig zu verhindern”, erklärt Cepko. Informationen darüber, wie die Gene innerhalb der Photorezeptoren arbeiten ? wie und wann sie an- oder ausgeschaltet werden ? könnten sogar zu Methoden führen, zerstörte oder beschädigte Zellen zu ersetzen.
Cornelia Pfaff





