Amerikanische Wissenschaftler haben ein neues Kunstblut entwickelt, das genau die entgegengesetzten Eigenschaften hat wie alle bisher getesteten Blutersatzstoffe: Während bislang die Devise galt, ein Kunstblut müsse dünnflüssiger sein als echtes Blut und Sauerstoff weniger stark festhalten, sind die Forscher davon überzeugt, dass genau diese Eigenschaften alle bisherigen Versuche scheitern ließen. Das neue Kunstblut ist daher dickflüssiger und gibt Sauerstoff langsamer ab als echtes Blut. Erste klinische Tests seien sehr vielversprechend verlaufen, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist (Ausgabe vom 13. März).
Die meisten Blutersatzstoffe enthalten, genau wie echtes Blut, Hämoglobin in einer verdünnten Lösung. Diese Flüssigkeiten sollen leicht im Blutkreislauf transportiert werden können und sind daher sehr dünnflüssig. Doch bei praktisch allen bisherigen Versuchen, Blut durch eine solche Lösung zu ersetzen, traten schwere Komplikationen auf: Die Blutgefäße kollabierten, so dass der Blutfluss blockiert war und Gewebe abstarb. Nach Ansicht von Marcos Intaglietta von der Universität von Kalifornien in San Diego und Robert Winslow von der Firma Sangart wird das auch so bleiben, so lange das Hämoglobin frei in einer dünnflüssigen Lösung vorliegt.
Ihre Begründung: Freies Hämoglobin kann leicht in Zellzwischenräume eindringen und dort Substanzen aufnehmen, die wichtig dafür sind, Blutgefäße offen zu halten. Zusätzlich verdünnt die Lösung das Blut, wodurch die Gefäße ebenfalls leichter kollabieren. Ein dritter Faktor sei, so die Wissenschaftler, dass freies Hämoglobin Sauerstoff leichter abgebe und er daher nicht wie normalerweise in den dünnen Kapillargefäßen im Gewebe freigesetzt wird, sondern bereits in größeren Blutgefäßen. Dies trage ebenfalls zur Instabilität der Gefäße bei.
All diese Schwierigkeiten könnten bei dem neuen Kunstblut MP4 dank eines einzigen Tricks nicht mehr auftreten, schreibt der “New Scientist”: Die Hämoglobinmoleküle im MP4 sind nicht nackt, sondern von einer Schicht umgeben, die den Sauerstoff festhält, die Moleküle größer macht und die Lösung insgesamt andickt. Daher werde der Sauerstoff tatsächlich erst da abgegeben, wo er gebraucht werde, und das Hämoglobin könne sich nicht mehr zwischen die Zellen schieben. Versuche in Hamstern und Schweinen seien bereits sehr positiv verlaufen, und auch der erste klinische Test mit zwanzig Patienten habe vielversprechende Ergebnisse gezeigt, schreibt das Magazin.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel





