Im Pariser Abkommen von 2015 haben die unterzeichnenden Nationen vereinbart, die globale Erwärmung auf maximal zwei Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen und anzustreben, unter 1,5 Grad Celsius zu bleiben. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es erforderlich, den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) massiv zu reduzieren. Bislang sind fossile Brennstoffe die Basis für 81 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs, und ihre Förderung ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Um allerdings das 1,5 Grad Klimaziel erreichen zu können, muss ein Großteil der verbliebenen Reserven an Kohle, Gas und Öl im Boden bleiben, hat ein Team um Dan Welsby vom University College London berechnet.
Förderhöhepunkt erreicht oder überschritten
„Wir haben ein globales Energiesystemmodell verwendet, um die Menge an fossilen Brennstoffen zu ermitteln, die regional und global im Boden verbleiben müsste, um die Erwärmung mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit auf 1,5 °C zu begrenzen“, berichten die Forscher. „Wir kommen zu dem Ergebnis, dass bis 2050 fast 60 Prozent des Erdöls und des fossilen Methangases sowie 90 Prozent der Kohle ungefördert bleiben müssen, um dieses Ziel einzuhalten.“
In vielen Regionen der Welt sei der Höhepunkt der Förderung fossiler Brennstoffe in diesem Szenario bereits erreicht oder überschritten. „Das bedeutet, dass ein sehr hoher Anteil der heute als wirtschaftlich angesehenen Reserven bei einem globalen 1,5 °C-Ziel nicht abgebaut werden würde“, so die Autoren. „Dies hat wichtige Auswirkungen auf die Produzenten, die darauf setzen, diese Reserven in der Zukunft zu monetarisieren, sowie auf aktuelle und potenzielle Investoren.“ Die Öl- und Gasreserven der Arktis etwa, auf die viele Investoren spekulieren, dürften beispielsweise nicht genutzt werden, wenn das Klimaziel eingehalten werden soll.
Länder unterschiedlich stark betroffen
Welsby und seine Kollegen kommen auch zu dem Ergebnis, dass einige Länder stärker betroffen sind als andere, abhängig davon, wie viele Rohstoffreserven sie haben und wie leicht diese zugänglich sind. Den größten Einfluss auf das globale Bild haben demnach die Staaten des Mittleren Ostens sowie der ehemaligen Sowjetunion. Da sich aber das Öl in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion im Vergleich zu anderen Vorkommen der Welt besonders kosteneffektiv fördern lässt, seien die nicht nutzbaren Anteile in dieser Region geringer, nur 38 Prozent, während beispielsweise in Kanada 83 Prozent der Ölvorkommen unter dem 1,5 Grad Klimaziel nicht gefördert werden sollten.
Die weltweiten Fördermengen müssten den Forschern zufolge von nun an jährlich um rund drei Prozent zurückgehen. Auch hier gehen sie von deutlichen Unterschieden auf regionaler Ebene aus. So würde in den USA in diesem Szenario zunächst bis 2025 mehr Öl gefördert als bisher, da Importe aus anderen Ländern zurückgingen, der Verkehrssektor aber zunächst noch auf fossile Brennstoffe angewiesen sei. Bis 2050 könnte aber auch die Förderung in den USA zurückgehen, da sich weltweit Technologien durchsetzen, die ohne fossile Brennstoffe auskommen. Fossile Brennstoffe, die nach 2050 gefördert würden, würden zum größten Teil nicht mehr verbrannt, sondern nur noch als Rohstoff in der chemischen Industrie eingesetzt, was weniger CO2-intensiv ist.





