Das in Großbritannien häufig verschriebene Medikament Raloxifene steht im Verdacht, in einigen Fällen Eierstockkrebs hervorzurufen. Der künstliche Ersatz für das weibliche Geschlechtshormon Östrogen wird etwa nach operativer Entfernung der Eierstöcke oder Frauen nach der Menopause verordnet. Ärzte warnten auf dem jährlichen Treffen der European Society of Human Reproduction and Embryologie in Lausanne vor dem Medikament.
Ärzte setzen Raloxifene als Hormonersatztherapie bei Frauen ein, denen die Eierstöcke nach Entdeckung eines Tumors entfernt worden waren. Auch nach der Menopause, wenn der weibliche Körper das Geschlechtshormon Östrogen nicht mehr ausreichend selbst produziert, galt das Medikament als Vorsorgemittel gegen Osteoporose, die sich durch kalziumarme Knochen auszeichnet. Nun scheint Raloxifene in einigen Fällen krebsfördernde Wirkung zu haben.
In Labortests stellte der Gynäkologe David Tourgeman von der University of Southern California-Keck School of Medicine in Los Angeles die krebsfördernde Wirkung von Raloxifene fest. Er entnahm einem Eierstocktumor einzelne Zellen und setzte sie der gleichen Konzentration des Medikaments aus, die auch in der Standardtherapie verwendet wird. Doch die Dosis regte verheerenderweise das Wachstum der Zellen an.
Der Östrogenersatz Raloxifene scheint bestimmte Oberflächenproteine auf den Zellen anzuregen und so wachstumsfördernd auf sie einzuwirken. Bleiben nach der operativen Entfernung des Tumors einzelne Zellen im Körper, könnten sie durch Gabe des Medikaments entsprechend angeregt werden und erneut anfangen, sich zu teilen. Frauen, deren Tumor empfindlich auf Östrogen reagiert, sollten nach Warnung der Ärzte kein Raloxifene mehr verschrieben bekommen.
Da nach Schätzung der Mediziner mehr als 60 Prozent der Eierstocktumore auf Östrogen reagieren, seien weitere Untersuchungen dringend anzuraten. Um Raloxifene auch bei der Behandlung von Osteoporose und als Vorsorge von Herzerkrankungen von der Verschreibungsliste zu streichen, sei allerdings momentan noch kein Anlass gegeben, sagten die Ärzte.
Dr. Dagmar Knopf





