Im Fall der Dinosaurier ist mittlerweile klar: Viele Arten waren bereits komplex gefiedert. Sogar der Feinbau ihrer Federn ließ sich bei einigen Funden gut erkennen. Was diese Strukturen von Haaren unterschied, waren dabei ihre komplexen Verzweigungen. Manche Vertreter der Dinosaurier besaßen demnach nur ein daunenartiges Gefieder, das wärmte – es gab aber auch bereits komplexere Federformen, die vermutlich eine Rolle beim Balzverhalten spielten. Irgendwann entwickelten einige Vertreter der Dinosaurier auch Feder-besetzte Flügel, mit denen sie sich in die Lüfte erheben konnten. Sie wurden dann zu den Vorfahren unserer heutigen Vögel.
Pterosaurier-Federn auf der Spur
Somit lag nahe, dass die Dinosaurier die „Erfinder“ der Federn waren. Doch diese Annahme stellten Befunde im Jahr 2018 in Frage: Paläontologen hatten neben den bereits bekannten haarartigen Gebilden bei Flugsauriern auch Hinweise auf verzweigte Federstrukturen entdeckt. Der entscheidende Aspekt ist dabei: Flugsaurier waren keine Vertreter der Dinosaurier, sondern nur deren Verwandte – die Entwicklungslinien beider Gruppen haben sich schon vor über 250 Millionen Jahren getrennt. Somit sind Federfunde bei den fliegenden Reptilien etwas Besonderes. Die bisher entdeckten Strukturen könnten jedoch auch fehlinterpretiert worden sein, kritisierten einige Paläontologen. Nun präsentieren die Wissenschaftler um Aude Cincotta vom University College Cork allerdings neue, sehr deutliche Belege für Pterosaurier-Federn.
Die Befunde stammen aus der Untersuchung eines besonders detailliert erhaltenen Kopfes eines Tupandactylus imperator aus Brasilien. Diese Vertreter der Flugsaurier besaßen eine Spannweite von etwa fünf Metern und zeichneten sich durch einen besonders markanten Kamm auf dem Kopf aus, der wahrscheinlich ein innerartliches Show-Element darstellte. Wie Cincotta und ihre Kollegen berichten, weckten die Spuren feiner Strukturen im hinteren Teil dieses Kamms ihr spezielles Interesse. Um weitere Details aufzudecken, unterzogen sie den Bereich deshalb einer elektronenmikroskopischen Untersuchung.
Aus ihren Entdeckungen geht hervor, dass das Tier an der Unterseite seines Kammes einen Federkranz besessen hat: Neben haarähnlichen Filamenten stießen die Forscher dort auch auf die Spuren von flauschigen, verzweigten Strukturen, deren Merkmale damit denen von Vogelfedern ähneln. “Paläontologen streiten schon seit einiger Zeit darüber, ob Flugsaurier echte Federn besaßen oder nicht. Die Federn unseres Exemplars beenden diese Debatte nun endgültig, denn sie sind ganz eindeutig über die gesamte Länge verzweigt, genau wie bei den heutigen Vögeln”, sagt Cincotta.





