Honigbienen regeln ihr Flugtempo nach der Geschwindigkeit, mit der ihre Umgebung vorbeirauscht. Sie haben keinen unabhängigen Tempomesser für ihre tatsächliche Geschwindigkeit, sondern halten das Tempo konstant, mit dem die Umwelt an ihnen vorbeizieht. Das haben australische Wissenschaftler um Emily Baird von der Australischen Nationaluniversität in Canberra beobachtet.
Baird und ihre Kollegen trainierten zunächst Honigbienen, durch einen Tunnel zu fliegen. Die Forscher veränderten dann die Bilder im Tunnel so, dass die Bienen den Eindruck hatten, entweder schneller oder langsamer zu fliegen, als sie es wirklich taten. Tatsächlich passten die Bienen ihre Fluggeschwindigkeit dem Tempo an, das sie im Tunnel vorgegaukelt bekamen: Sie beschleunigten, wenn der Tunnel ihnen eine niedrige Fluggeschwindigkeit vortäuschte, und verlangsamten ihr Tempo, wenn der Tunnel ihnen größere Schnelligkeit vorschwindelte.
Offenbar sind die Bienen bemüht, das Tempo, mit dem die Umgebung an ihnen vorbeizieht, möglichst konstant zu halten. So optimieren sie automatisch ihre Geschwindigkeit für die jeweilige Umgebung. Sie fliegen schneller, wenn sie sich hoch über der Erde und weit weg von Hindernissen befinden, denn mit zunehmender Entfernung scheinen die optischen Anhaltspunkte langsamer vorbeizuziehen. Wenn sie jedoch näher an Bäumen oder Blumen vorbeifliegen, verlangsamen sie, weil die Hindernisse schneller an ihnen vorbeirauschen. Mit dieser simplen Regel können sie die jeweils optimale Geschwindigkeit ermitteln und Zusammenstöße vermeiden.
Emily Baird ( Australische Nationaluniversität in Canberra) et al.: Journal of Experimental Biology (Bd. 208, S. 3895) ddp/wissenschaft.de ? Christina Schallenberg





