Ein langer Hals kann praktisch sein, wie die evolutionären Entwicklungen bei unterschiedlichen Tieren verdeutlichen. Zu den markantesten Beispielen gehören dabei die Giraffen sowie einige Vogelarten. Doch auch in der früheren Entwicklungsgeschichte gab es schon berühmte Langhälse: Während an Land die Sauropoden an den Baumwipfeln knabberten, jagten in den Meeren bis zum Ende der Kreidezeit die langhalsigen Plesiosaurier gewandt Fische. Die Entwicklung dieser Wesen geht dabei auf das frühe Trias-Zeitalter zurück. Doch bisher ist nur wenig darüber bekannt, wie sich der Hals in der frühen Phase der Evolution der Flossenechsen (Sauropterygia) entwickelt hat.
Ein noch kurzhalsiger Vertreter
Licht auf diese Frage wirft nun der Fund eines frühen Vertreters dieser Tiergruppe aus einer Fossilienlagerstätte in der chinesischen Provinz Hubei. “Wir hatten das Glück, gleich zwei vollständige Skelette dieses Wesens zu finden”, sagt Erst-Autor Qi-Ling Liu von der China University of Geosciences in Wuhan. Das chinesisch-britische Forscherteam gab der fossilen Art den Namen Chusaurus xiangensis. Durch radiometrische Datierungen konnten die Relikte auf ein Alter von etwa 248 Millionen Jahren datiert werden und somit auf das frühe Trias-Zeitalter. Grundsätzlich zeigte sich zunächst: “Obwohl Chusaurus nur weniger als einen halben Meter lang war, handelte es sich dennoch um einen frühen Vertreter der Meeresreptilien aus der Gruppe der Sauropterygia“, so der Paläontologe.
Wie die weiteren Untersuchungen ergaben, ist Chusaurus bereits den Pachypleurosauriern zuzuordnen, aus denen dann die späteren Formen der Plesiosaurier hervorgingen. “Er gehörte schon zu dieser Gruppe kleiner Meeresräuber, die in der Trias sehr wichtig waren. Zuerst war ich mir aber nicht sicher, ob es sich um einen Pachypleurosaurier handelte, weil mir der Hals so kurz erschien”, sagt Liu. Genau dabei handelt es sich allerdings um den besonders interessanten Aspekt dieses Wesens, wie das Team berichtet.
Schnelle Langhals-Entwicklung
Denn es zeichnet sich ab, dass bereits ein Verlängerungsprozess des Halses stattgefunden hatte: Immerhin besaß dieser bei Chusaurus schon das Ausmaß der halben Länge des Rumpfes des Tieres. Er war dabei bereits mit 17 Halswirbeln ausgestattet. Wie dann die Vergleiche mit späteren Vertretern der Pachypleurosaurier verdeutlichten, setzte sich die Halsverlängerung anschließend aus evolutionärer Sicht schnell fort: In nur fünf Millionen Jahren hatte die Halslänge bei dieser Gruppe der Flossenechsen im Durchschnitt schon 80 Prozent der Rumpflänge erreicht, belegen die Studienergebnisse. “Die Pachypleurosaurier verlängerten ihre Hälse dabei, indem sie neue Wirbel hinzufügten”, sagt Co-Autor Cheng Long vom Wuhan Centre of China Geological Survey. Konkret war ein Zuwachs auf 25 Halswirbel zu verzeichnen, berichten die Paläontologen.





