Die Ohren der Raupenfliege können die Richtung eines Geräuschs ebenso gut orten wie menschliche Ohren. Das berichten Forscher der amerikanischen Cornell-Universität in der Fachzeitschrift “Nature” (Bd. 410, S. 686). Hörgeräte nach dem Prinzip der Fliegenohren sollen jetzt Schwerhörigen helfen, in einer lauten Umgebung etwa einem Gespräch gezielt folgen zu können.
Raupenfliegen können die Richtung von Geräuschen, die nur zwei Winkelgrade voneinander entfernt liegen, unterscheiden. Das vermögen sonst nur Menschen, Katzen oder Eulen mit ihren hochentwickelten Ohren. “Berücksichtigt man noch den Größenunterschied zwischen Mensch und Fliege, dann sind die kleinen Fliegen die wahren Meister im Richtungshören”, sagt Forschungsleiter Ron Hoy.
Die Hörorgane der Fliege funktionieren wie kleine Richtmikrofone. Die einfache Technik nehmen sich jetzt verschiedene Entwickler von Hörgeräten zum Vorbild, um kleine und billige Geräte zu entwickeln. Den Forschern der Cornell-Universität ist es bereits gelungen, Hörgeräte nach dem Fliegenprinzip für den Ultraschallbereich herzustellen. “Das gäbe gute Hörgeräte für Fledermäuse”, witzelt Hoy. “Wir brauchen aber Geräte, die im Bereich des menschlichen Hörvermögens liegen.” Die Ultraschall-Hörgeräte könnten jedoch etwa bei Robotern eingesetzt werden.
Die parasitisch lebenden Raupenfliegen “Ormia ochracea” brauchen ihre guten Ohren, um die Zirpgeräusche von Grillenmännchen zu orten. Die Tiere dienen den Fliegen als Brutstätte. Hat die Fliege die Richtung des Opfers bestimmt, landet sie in der Nähe, pirscht sich zu Fuß langsam heran und legt winzige Larven auf der Grille ab. Für die Entwicklung der heranwachsenden Maden ist gesorgt: Sie ernähren sich von den Innereien der Grille.
Um die Bewegungsrichtung er Fliege zu bestimmen setzten die Wissenschaftler die Fliege “angeleint” auf einen mit Luft unterströmten Tischtennisball. Beim Erschallen der Grillengeräusche – aus einem kleinen drehbaren Lautsprecher ? beginnt sich die Fliege in die entsprechende Richtung zu bewegen. Durch die schwarzen Punkte auf dem Ball wird diese Bewegung für ein Computerprogramm auswertbar. Auf der Homepage der Universität Toronto ist dieser Versuchsaufbau in einem Film dokumentiert.
Irina Lorenz-Meyer





