Die Droge Methamphetamin wirkt auf Fliegen in ähnlicher Weise wie auf Menschen. Amerikanische Forscher beobachteten an Taufliegen unter Einfluss der unter den Szenenamen “Meth”, “Glass” oder “Ice” bekannten Droge Reaktionen wie Schlaflosigkeit, übertriebenes Balzverhalten und eine erhöhte Bewegungs- und Gehirnaktivität. Diese Verhaltensweisen lassen auf eine entscheidende Rolle des Nervenbotenstoffs Dopamin schließen, welcher normalerweise den Schlaf und den Übergang vom wachen zum erregten Zustand reguliert.
Die synthetische, in Deutschland illegale Droge Methamphetamin erzeugt beim Menschen Euphorie und verringert das Schlafbedürfnis. Unter dem Namen Pervitin wurde sie unter anderem im Zweiten Weltkrieg in der Wehrmacht zur Leistungssteigerung eingesetzt.
Auch bei den Taufliegen der Gattung Drosophila zeigte die Substanz eine aufputschende Wirkung: In ihren schlaflosen Nächten bewegten sich die Fliegen unaufhörlich, strengten fieberhaft ihre Gehirne an und balzten unbändig, aber äußerst ineffektiv, beschreiben die Forscher das Verhalten ihrer berauschten Insekten. Der Effekt auf die Fliegen ist also nicht ganz fern von der Wirkung, die sie geraucht, inhaliert oder gespritzt auf den Menschen hat. Diese Verhaltensweisen steuert der Stoff Dopamin, der auch bei der Wirkung von Methamphetamin auf den Menschen beteiligt ist.
Die Forscher konnten die Rolle des Dopamins nun auch für die Taufliege beweisen: Neben den normalen Taufliegen durchliefen auch genetisch veränderte Taufliegen das Drogenexperiment, deren Dopaminproduktion die Forscher ausgeschaltet hatten oder bei denen das Dopamin durch einen Hemmstoff abgestellt war. Diese Fliegen ließen sich den Drogenkonsum nicht anmerken. Ohne den zwischengeschalteten Boten Dopamin kam die Wirkung also nicht im Gehirn an.
Die richtige Dopaminbalance ist für eine intakte Gehirnfunktion unerlässlich, und das in gleicher Weise für Taufliegen wie für Menschen, schließen die Forscher. Das lebenswichtige Steuersystem durch Dopamin muss sich daher in der Evolutionsgeschichte sehr früh entwickelt haben.
Rozi Andretic et al. (Neuroscience Institute, San Diego, USA): Current Biology, Bd. 15, S. 1165, DOI: 10.1016/j.cub.2005.05.025
ddp/wissenschaft.de ? Mareile Müller-Merbach





