Pump, Pump, Pump: Wer die beiden Forscherinnen Lisa Freed und Gordana Vunjak-Novatovic in ihrem Labor am “Massachusetts Institute of Technology” in Cambridge besucht, kann in einem sogenannten Bioreaktor aus Glas flickengroße Gewebestücke aus Herzzellen betrachten. Pflichtbewusst ziehen sich die Zellen rhythmisch zusammen. Sie sind dabei sehr empfindlich: Verändert sich die Temperatur im Raum oder schlägt jemand die Tür laut zu, verändern die Zellen ihren Rhythmus. Den beiden Forscherinnen ist es erstmals gelungen, funktionierendes dreidimensionales Herzgewebe zu züchten, teilt jetzt die amerikanische Weltraumagentur Nasa in einer Presseerklärung mit.
Bisher konnten Forscher in den Labors in flachen Petrischalen nur eine dünne Schicht aus Herzzellen herstellen. Freed und Vunjak-Novatovic nutzen für ihre Experimente jedoch einen sich langsam drehenden Bioreaktor der Nasa, der eine sauerstoffreiche Nährlösung enthält. Der Reaktor wurde ursprünglich für Experimente im Weltraum entwickelt. In das Gerät brachten die Forscherinnen ein sich langsam auflösendes Stützgerüst und Herzzellen ein. Die Herzzellen hefteten sich an das Stützgerüst und bildeten, nachdem das Gerüst verschwunden war, ein dreidimensionales Gewebe.
Bisher hat der kleine Gewebelappen allerdings nur einen Durchmesser von etwa einem halben Zentimeter und eine Höhe von weniger als einem Millimeter ? zu klein, um als Implantat geschwächte Herzen zu stützen. Die Forscherinnen versuchen daher, nun auch Herzgewebe mit Blutgefäßen zu züchten. Blutgefäße sind notwendig, um innerhalb eines größeren Gewebelappens Zellen mit Nährstoffen und Sauerstoff zu versorgen.
Aber auch wenn sich das neue Herzgewebe aus dem Reaktor noch nicht für die medizinische Praxis eignet, so kann doch zumindest die Pharmaindustrie das Gewebe für Medikamententests nutzen, erklären die Forscherinnen.
ddp/bdw ? Andreas Wawrzinek





