Viele Fleischfresser wie der Große Abendsegler (Nyctalus noctula) stehen täglich vor der Aufgabe, neue Nahrung zu finden. Ihre Beute kann dabei sehr unregelmäßig in der Landschaft verteilt und nur für kurze Zeit verfügbar sein – eine Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Tiere, die von solch zufälligen Vorkommen abhängig sind, haben daher oft soziale Strategien zur Nahrungssuche entwickelt und stehen beispielsweise während der Jagd in Kontakt, um Informationen über ihre Umwelt auszutauschen.
„Am Großen Abendsegler kann man das besonders gut untersuchen, denn seine Beute – Insektenschwärme – verteilt sich völlig unvorhersehbar im offenen Luftraum“, erklärt Manuel Roeleke von der Universität Potsdam. „Zudem ist die Distanz, über welche die Fledermäuse die Insekten per Ultraschall orten können, mit etwa 10 bis 15Metern relativ klein. Das erschwert ihnen das Aufspüren ihrer Beute. Ihre eigenen Artgenossen nehmen die Tiere dahingegen über sehr viel größere Entfernungen, im Idealfall bis zu 160 Meter, wahr. Die Suche in der Gruppe sollte demnach einfacher sein.“
Fledermäuse bilden sensorische Netzwerke
Ein Team um Roeleke hat nun konkret untersucht, inwieweit Große Abendsegler bei der Nahrungssuche zusammenarbeiten. Dazu statteten sie insgesamt 81 Fledermäuse mit kleinen, etwa ein Gramm schweren GPS-Geräten aus, über die sie die Flugmuster der Tiere festhalten konnten. „Mit dem hochmodernen ATLAS-System können wir die Bewegung dutzender Tiere zeitgleich aufnehmen. Dank der großartigen Unterstützung lokaler Landwirte und Privatpersonen können wir die Tracking-Technologie seit 2018 in der Uckermark betreiben. Es ist eine einzigartige Chance, um Tierbewegungen und Artenvielfalt in der europäischen Kulturlandschaft zu erforschen“, erklärt Roelekes Kollege Florian Jeltsch. Für ihre Untersuchungen waren die Forscher darauf angewiesen, mehrere 15 Meter hohe Empfangsmasten um das Jagdgebiet der Fledermäuse aufzustellen. Letztendlich konnten sie dadurch eine Fläche von etwa 80 Quadratkilometern überwachen.
„Unsere Daten konnten die Theorie der mobilen sensorischen Netzwerke bestätigen: Während der Insektensuche fächern sich die Fledermäuse auf, bleiben aber akustisch in Kontakt. Außerdem passen sie falls nötig ihre Flugbahnen einander an, um ein möglichst großes Gebiet absuchen zu können“, erklärt Koautor Christian Voigt vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin. Findet ein Tier im Netzwerk also einen Schwarm Beuteinsekten, bekommen das die Nachbarn über Veränderungen in den Flugbewegungen und anhand speziell zur Insektenjagd genutzter Ultraschallrufe mit. Dadurch werden nach und nach alle Tiere im sensorischen Netzwerk auf das lohnende Jagdgebiet aufmerksam gemacht.





