Fledermäuse verhalten sich bei ihren nächtlichen Ausflügen wie Menschen auf einem Einkaufsbummel. Wie ein Schnäppchenjäger, der während des Flanierens in die Schaufenster entlang der Straße blickt, lassen sie ihr Echoortungssystem mal nach links und mal nach rechts schweifen. Erst wenn sie ein mögliches Beutetier erkannt haben, richten sie ihr Echolot konsequent in dessen Richtung und fliegen zielstrebig darauf zu ? wie ein Einkaufender, der eilig einen Wühltisch mit Sonderangeboten ansteuert. Das haben amerikanische Wissenschaftler bei Laborversuchen mit den Flugsäugern beobachtet.
Cynthia Moss und Kaushik Ghose von der Universität von Maryland in College Park ließen die Tiere für ihre Tests in ihrem Labor umherfliegen und zeichneten die Flugbahn mit einer Hochgeschwindigkeitskamera auf. Diese arbeitete mit Infrarotlicht und konnte die Fledermäuse daher auch bei völliger Dunkelheit aufnehmen. Gleichzeitig maßen die Forscher mit einer dichten Anordnung von Mikrophonen die Art und Richtung der Rufe, die die Tiere dabei ausstießen. Am Echo dieser für den Menschen meist unhörbar hohen Schreie können sich die Tiere orientieren.
Beim gewöhnlichen Suchflug stoßen die Tiere etwa 10 Rufe pro Sekunde aus, beobachteten die Forscher. Die Richtung, in der sie diese Laute ausstoßen, entspricht keineswegs immer der Flugrichtung, sondern pendelt ständig hin und her. Erst wenn die Fledermäuse ein Beutetier ausgemacht haben, fixieren sie ihr Echolot in dessen Richtung. Sie stoßen dabei 100 bis 150 Schreie pro Sekunde aus und können auf diese Weise präzise jede Bewegung des Beutetiers erkennen und darauf mit abrupten Richtungsänderungen reagieren.
Cynthia Moss und Kaushik Ghose (Universität von Maryland, College Park): Journal of Neuroscience, Bd. 26, Nr. 6 ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald





