Warum werden Fledermäuse, die sich vorwiegend von stark zuckerhaltigem Nektar ernähren, eigentlich nicht krank? Diese Frage haben sich Biologen verschiedener Institute um den Wissenschaftler Detlev Kelm gestellt. Schließlich ist bekannt, dass ein hoher Blutzuckerspiegel bei Säugetieren unter anderem die Lebenserwartung verkürzen kann. Um das Rätsel zu lösen, untersuchten die Forscher Blumenfledermäuse der Art Glossophaga soricina. Die in den Tropen heimischen, nur zehn Gramm leichten Tiere ernähren sich hauptsächlich von Nektar, sind dabei topfit und werden manchmal über zehn Jahre alt.
Zunächst fütterten die Forscher die Fledermäuse mit einer Zuckerlösung. Das Ergebnis war überraschend: Die Tiere hatten danach in ruhendem Zustand bis zu 25 Millimol pro Liter Glukose im Blut. Das ist vier bis fünf Mal so viel wie der Wert bei gesunden Menschen – und der höchste Wert, der jemals bei Säugetieren gemessen wurde. Wenn die Tiere jedoch flogen und aktiv waren, verringerte sich der Blutzuckerspiegel auf einen Wert, der bei einem Säuger dieser Größe zu erwarten war: unter zehn Millimol pro Liter Blut. Welcher Mechanismus dahinter steckt, ist den Forschern noch unklar. Jetzt wollen sie Kolibris untersuchen, die ebenfalls Nektar fressen. Sie erhoffen sich von ihren Ergebnissen neue Erkenntnisse über die Blutzuckerregulierung und die Entstehung von Diabetes.





