Schizophrenie ist häufiger als man denkt: Etwa ein Prozent der Bevölkerung sind betroffen, allein in Deutschland gibt es rund 800.000 Schizophrenie-Kranke. Damit treten schizophrene Psychosen nach Angaben des Aktionsbündnisses seelische Gesundheit immerhin fast genauso häufig auf wie ein insulinpflichtiger Diabetes. Typischerweise entwickelt sich die Schizophrenie schleichend und kündigt sich oft schon während der Pubertät mit bestimmten psychischen Symptomen an. “Dieses klinische Syndrom wird als mentaler Zustand mit hohem Schizophrenie-Risiko eingestuft”, erklären Paul Amminger von der University of Melbourne und seine Kollegen. Kommen im jungen Erwachsenenalter dann Faktoren wie genetische Veranlagung, psychosozialer Stress oder Drogenkonsum hinzu, bricht die Krankheit aus. Sie äußert sich in Wahnvorstellungen und Halluzinationen, aber auch in kognitiven Problemen und einer gestörten Selbstwahrnehmung. Bisher gibt es für diese Krankheit kein Heilmittel, Behandlungen unter anderem mit Psychopharmaka können die Symptome nur kontrollieren und abschwächen, wie die Forscher berichten.
Doch jetzt gibt es möglicherweise Hoffnung auf eine schonendere und wirksamere Behandlung – mit einem Naturstoff. Amminger und seine Kollegen haben in einer über sieben Jahre laufenden Langzeitstudie untersucht, ob und wie gut langkettige mehrfach ungesättigte Omega-3-Fettsäuren den Ausbruch einer Schizophrenie bei Risikopatienten verhindern kann. An ihr nahmen 81 Teilnehmer im Alter von 13 bis 25 Jahren mit einer diagnostizierten Vorstufe der Schizophrenie teil. 41 dieser Probanden erhielten zwölf Wochen lang täglich eine Fischölkapsel mit 700 Milligramm Eicosapentaensäure und 480 Milligramm Docosahexaensäure. 40 weitere Probanden im gleichen psychischen Zustand bekamen stattdessen ein Placebo – ohne dass sie oder die Experimentatoren wussten, wer was erhielt. Während der Einnahmezeit sowie ein halbes Jahr, ein Jahr und zwei Jahre nach deren Ende wurde der psychische Zustand der Teilnehmer untersucht.
Eine Alternative zu Psychopharmaka?
Das Ergebnis fiel überraschend deutlich aus: In der Placebogruppe hatten 40 Prozent der Probanden innerhalb der sieben Jahre eine manifeste Schizophrenie entwickelt – dies entspricht etwa dem Durchschnitt. Bei den mit Omega-3-Fettsäuren Behandelten waren es jedoch nur 9,8 Prozent, wie die Forscher berichten. Auch die generellen psychischen Symptome und die Fähigkeit, im Alltag zu funktionieren, besserten sich: “Die Mehrheit der Teilenehmer aus der Omega-3-Gruppe hatte am Ende der Studienperiode einen Vollzeitjob, zeigte keine schweren funktionellen Einschränkungen und erlebte keine psychotischen Symptome mehr”, berichten Amminger und seine Kollegen. Bei denen, die dann doch eine Psychose entwickelten, geschah dies zudem sehr viel später als bei denen in der Placebogruppe.





