Text: Bettina Wurche
Die Fischkatze sitzt am Rand eines Wasserarms im Mangrovensumpf, ihr hellbraun-graues Fell mit den schwarzen Flecken und Striemen tarnt sie perfekt. Aufmerksam schaut sie ins Wasser – dann springt sie Kopf voran hinein. Mit ein paar schnellen Schlägen ihrer mit Schwimmhäuten besetzten Pfoten ist sie bei Ihrer Beute. Die Jägerin packt den Fisch und schleppt ihn aus dem Wasser.
Vor allem für Fischer ist das kein schöner Anblick. Sie sehen die kleinen Wildtiere als Konkurrenz und töten in den Netzen gefangene Katzen, ihr Fleisch und der weiche Pelz werden oft verkauft. Auch manche Landwirte töten die Katzen, wenn diese sich an ihrem Geflügel oder an Zuchtfischen vergreifen. Dabei können die Jägerinnen Farmern auch helfen. Oder sie können zumindest friedlich koexistieren.
Die indische Biologin und Naturschützerin Tiasa Adhya hat 2010 das „Fishing Cat Project“ mitgegründet: „Als Plattform für alle Naturschützer, die sich für Fischkatzen interessieren, und um das Bewusstsein für diese scheuen, mittelgroßen Katzen nicht nur in Indien, sondern weltweit zu schärfen.“
Fischkatzen (Prionailurus viverrinus) leben in Feuchtgebieten Südostasiens. Heute gibt es nur noch kleine, verstreute Bestände vor allem in Indien, Bangladesch und Sri Lanka sowie in Pakistan, Thailand, Kambodscha und Malaysia. Die meisten streifen durch Indiens ausgedehnte, tief gelegene Überschwemmungsgebiete wie das Ganges-Brahmaputra- und andere Flusssysteme.
„Die mitochondriale DNA zeigt die engen Verwandtschaftsbeziehungen zwischen den kleinen Beständen“, sagt Adhya und erklärt: „Ihre heutigen kleinen Vorkommen sind offenbar Relikte der einst weiten Verbreitung in den Feuchtgebieten.“ Das sei auch plausibel, denn: „Lange Zeit waren diese veränderlichen Lebensräume zwischen Wasser und Land nur wenig besiedelt, sie galten als unproduktives Ödland.“ Aber mit der wachsenden Bevölkerung Südostasiens dringen Siedlungen, Landwirtschaft, Aquakulturen und Industrialisierung auch dorthin vor und zerstören und vergiften die restlichen Sumpflandschaften mit Abwässern, Mikroplastik und anderen menschlichen Hinterlassenschaften.
Forschende schätzen den aktuellen Gesamtbestand auf weniger als 8.000 erwachsene Tiere. Für Zählungen stellen Biologen zu beiden Seiten der von Fischkatzen benutzten Pfade Kamerafallen auf. Damit erfassen sie die Fleckenmuster der Flanken, die individuell einzigartig wie Fingerabdrücke sind, so lässt sich die Zahl der Individuen ermitteln. Da Indien der Kern des heutigen Verbreitungsgebiets ist, leben dort vermutlich über 60 Prozent des Vorkommens. Allerdings nimmt ihr Bestand genauso schnell ab wie ihr Lebensraum, darum gelten Fischkatzen als gefährdet.





