Bei Feuerameisen haben Königinnen und Arbeiterinnen ein unterschiedliches Interesse daran, ob mehr männlicher oder mehr weiblicher Nachwuchs überlebt. Arbeiterinnen sorgen dafür, dass mehr weibliche als männliche Nachkommen durchkommen. Der Königin dagegen ist ein möglichst ausgeglichenes Geschlechterverhältnis wichtig.
Eine internationale Arbeitsgruppe um den bekannten Schweizer Ameisenforscher Laurent Keller hat erforscht (Science 293, 17. August 2001), wie Königinnen erreichen, dass mehr männliche Nachkommen aufgezogen werden: Der Direktor des Instituts für Ökologie der Universität Lausanne fand heraus, dass die Königinnen der Feuerameise die Zahl der weiblichen Nachkommen beschränkt. Auf diese Weise zwingen sie ihre Arbeiterinnen, auch männlichem Nachwuchs eine Chance zu geben.
In der Regel legen bei der Feuerameise (Solenopsis invicta) nur die Königinnen Eier. Befruchtete Eier entwickeln sich zu weiblichen, unbefruchtete zu männlichen Ameisen. Dies hat zur Folge, dass die Arbeiterinnen drei Viertel ihres Erbgutes mit ihren Schwestern, aber nur ein Viertel ihrer Gene mit den Brüdern teilen.
Der höhere Verwandtschaftsgrad veranlasst die Arbeiterinnen dazu, ihre Schwestern mit mehr Sorgfalt aufzuziehen als den männlichen Nachwuchs der Königin. Im Extremfall töten Arbeiterinnen ihre Brüder sogar. Damit erreichen sie, dass möglichst viele Kopien ihrer Gene weitergegeben werden. Die Königin eines Ameisenvolkes ist mit ihren Söhnen und Töchtern gleich eng verwandt. Daher trachtet sie danach, die Strategie der Arbeiterinnen auszuhebeln.
Dr. Sebastian Messerschmid





