Mikroskopisch kleine Staubteilchen in der Luft, die aus Auto- und Industrieabgasen stammen, erhöhen das Risiko für einen Herzinfarkt. Wie eine jetzt im Fachblatt Circulation (Vol. 103, Nr. 23, June 11, 2001) veröffentlichte US-Studie zeigt, versagt der Selbstreinigungsmechanismus des menschlichen Atemsystems gegenüber den ultrafeinen Partikeln. Der Feinstaub gelangt tief in die Lungenverästelungen und von dort ins Blut.
Die Staubpartikel sind so klein, dass sie durch normale Abwehrreaktionen des Körpers im oberen Teil der Atemwege und in den Lungen nicht herausgefiltert werden und tief in die Alveoli gelangen, wo der Sauerstoff- und Kohlendioxid-Austausch die Blutzellen regeneriert, erläutert Douglas W. Dockery von der Harvard School of Public Health. Dockery und seine Kollegen vom Bostoner Beth Israel Deaconess Medical Center hatten von Januar 1995 bis Mai 1996 gut 770 Herzinfarkt-Patienten über ihre Symptome und den Zeitpunkt der Attacke befragt. Sie verglichen die Daten mit täglichen Luftschadstoffmessungen. Ihr besonderes Augenmerk galt dabei dem Feinstaubgehalt der Luft. In den zwei Stunden bevor bei den Patienten Herzinfarkt-Symptome einsetzten, befanden sich besonders viele so genannte Partikelemissionen “PM 2,5”, mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometer in der Luft. Erhöhte sich die PM2,5-Konzentration in diesen zwei Stunden um 25 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, stieg das Herzinfarkt-Risiko um 48 Prozent. Auch innerhalb eines 24-Stunden-Zeitraums mit erhöhten PM 2,5-Werten war das Infarktrisiko höher als sonst. Das könne durch die verzögerte Reaktion des menschlichen Körpers auf die Schadstoffe bedingt sein, vermuten die Forscher.
“Wir können im Moment noch nicht sagen, welche medizinische Möglichkeiten es zur Vermeidung kardiovaskulärer Störungen durch Feinstaub gibt. Weitere Untersuchungen müssen die exakten Mechanismen herausfinden, wie die Inhalation der Partikel zum Herzinfarkt führt”, erklärt Murray A. Mittleman vom Beth Israel Deaconess Medical Center. Die Mediziner empfehlen, an heißen, dunstigen Tagen, wenn das Schadstoffniveau besonders hoch ist, Aktivitäten im Freien einzuschränken. Dies gelte nicht nur für Großstädte. Winde verteilten sehr hohe Konzentration der Stoffe auch in ländliche Gegenden. Durch ihre geringe Größe stellen die winzigen Teilchen auch in Innenräumen ein Problem dar: “Klimaanlagen filtern lediglich rund 30 bis 50 Prozent der Stäube”, so Dockery.
Almut Bruschke-Reimer





