Blutgefäßzellen helfen wandernden Krebszellen beim Überleben und der Bildung von Metastasen. Die so genannten Endothelzellen, aus denen die innere Wand der Blutgefäße besteht, setzen Schutz- und Nahrungsstoffe frei, mit denen die vereinzelten Krebszellen überleben können. Das schreiben amerikanische Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Journal of Experimental Biology (Ausg. vom 19. Dezember).
Wenn Krebszellen aus einem bösartigen Tumor in die Blutgefäße gelangen, können sie sich im ganzen Körper ausbreiten, sich in nahezu jedem Gewebe festsetzen und dort die gefürchteten Metastasen bilden. Welcher Faktor jedoch bestimmt, wo und wie genau sich Tochtergeschwülste bilden, war bisher nicht bekannt. Mark Dewhirst und seine Kollegen von der Duke-Universität in Durham entdeckten jetzt, dass ein Wechselspiel zwischen Blutgefäßzellen und Krebszellen entscheidend für die Metastasenbildung ist.
Die wandernden Krebszellen senden bestimmte Signalstoffe aus, die nahegelegenen Blutgefäßen ihre Ankunft melden. Damit wollen sie die Bildung neuer Blutgefäße anregen, die den wachsenden Tumor mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen sollen. Als Antwort auf dieses Signal setzen dann die Endothelzellen, die die Blutgefäße von innen auskleiden, eine ganze Reihe von Substanzen frei. Diese Stoffe schützen die Krebszellen, unterstützen ihr Wachstum und leiten sie dorthin, wo sie so lange überleben können, bis sich die neuen Blutgefäße gebildet haben.
Dieser Mechanismus aus Geben und Nehmen könnte ein vielversprechender Angriffspunkt für neue Krebstherapien sein, schreibt Studienleiter Dewhirst. Gelänge es, die Signalausschüttungen zu blockieren, wäre zumindest die Gefahr der Metastasenbildung deutlich verringert. Metastasen erhöhen das Risiko bei fast jeder Krebserkrankung dramatisch. Bisher kann nicht in die frühen Stadien der Metastasenbildung eingegriffen werden.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel





