Fast Fashion boomt: Unternehmen wie Primark, H&M oder Shein nutzen ein Geschäftsmodell, das auf „Wegwerf-Kleidung“ setzt: Sie produzieren in schneller Folge immer neue Kollektionen günstiger, wenig haltbarer Kleidung und fördern damit den Modekonsum. Schon jetzt gehört die Textilindustrie zu den ressourcen-, klima- und chemikalienintensivsten Branchen. Recycelt wird von der Fast-Fashion-Kleidung kaum etwas.
PFAS-Gehalt weit über den Grenzwerten
Doch die Fast Fashion schadet nicht nur Klima und Umwelt, sondern auch unserer Gesundheit, wie ein neuer Stichprobentest unter Beweis stellt. Die Deutsche Umwelthilfe hat dafür im Mai und Juni 2026 18 verschiedene Produkte des Fast-Fashion-Herstellers Shein vom Bremer Umweltinstitut testen lassen. Untersucht wurden Kinder-, Jugend- und Damenbekleidung sowie Schuhe und Accessoires. Das Labor testete alle Produkte auf PFAS, Weichmacher (Phthalate), Schwermetalle, Formaldehyd, flüchtige organische Verbindungen (VOC), polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) sowie Alkylphenolethoxylate.
Das Ergebnis: 15 der 18 getesteten Shein-Produkte enthalten Schadstoffe oder auffällige chemische Produktionsrückstände. Sieben der 18 Produkte überschreiten geltende Grenzwerte der europäischen Chemikalienverordnung REACH sowie der POP-Verordnung für Textilprodukte – darunter sechs Kinder- und Outdoorjacken. „Sie hätten in dieser Form auf dem europäischen Markt nicht verkauft werden dürfen“, heißt es im Bericht. Bei den besonders problematischen PFAS-Chemikalien lagen sogar rund 75 Prozent der getesteten Modeprodukte über den geltenden EU-Grenzwerten. So wiesen die Laboranalysen in einer für Jugendliche gedachten Kapuzenjacke eine PFAS-Verbindung nach, die den erlaubten Grenzwert um mehr als das 12.000-Fache überschritt.

Shein-Schuhe im Schadstofftest. — © Kiel / DUH
Weichmacher, Schwermetalle und giftige Lösungsmittel
Aber auch andere potenziell gesundheitsschädliche Chemikalien fand das Labor in den Shein-Produkten: In einem Damenstiefel lag die gemessene Menge des fortpflanzungsschädigenden Weichmachers Diethylhexylphthalat (DEHP) um das 179-Fache über dem zulässigen Höchstwert von 1000 Milligramm pro Kilogramm. In mehreren Produkten wurden zudem Schwermetalle wie Blei, Cadmium, Nickel, Chrom und Antimon nachgewiesen. Einige von ihnen gelten als organschädigend und krebserregend.
Auch Rückstände von Lösungsmitteln, Klebstoffen und anderen chemischen Hilfsmitteln wiesen die Tester nach. In einem Overknee-Stiefel von Shein fanden sie eine nur knapp unter dem Schwellenwert liegende Konzentration des Lösungsmittels N,N-Dimethylformamid (DMF). Dass trotz der hohen Flüchtigkeit dieser Chemikalie noch so hohe Werte im fertigen Endprodukt nachweisbar seien, deute auf eine deutlich höhere Belastung während der Herstellung hin, erklärt die Deutsche Umwelthilfe. "Die Kleidung von Shein ist ein giftiger Chemiecocktail mit Ansage. Der Ultra-Fast-Fashion-Konzern macht Profite mit immer mehr Billigmode in immer kürzeren Abständen auf Kosten von Umwelt, Gesundheit und Ressourcen“, sagt DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz.
Welche Konsequenzen hat das für Shein?
Auf Basis dieser Testergebnisse hat die Verbraucherorganisation das Ultra-Fast-Fashion-Unternehmen Shein jetzt per Unterlassungsantrag offiziell abgemahnt. Shein wird aufgefordert, die umwelt- und gesundheitsschädlichen Produkte von seiner Online-Plattform zu nehmen. Es ist nicht das erste Mal, dass Shein negativ auffällt: Schon im Februar 2026 hat die EU-Kommission ein Verfahren gegen Shein nach dem Digital Services Act eingeleitet. Im Mittelpunkt stehen unter anderem der Umgang mit illegalen Produkten und die Frage, ob die Plattform ausreichend Maßnahmen zum Schutz von Verbraucherinnen und Verbrauchern ergreift.
"Giftige Chemikalien sind kein Betriebsunfall. Sie sind der Preis eines Geschäftsmodells, das auf maximale Geschwindigkeit setzt“, sagt Viola Wohlgemuth, Senior Expertin für Textilien und Kreislaufwirtschaft der DUH. „Wofür haben wir Chemikalien-Grenzwerte, wenn sie nicht eingehalten werden? Die Europäische Union und die Bundesregierung müssen jetzt konsequent dafür sorgen, dass Plattformen, die wiederholt gegen europäische Produkt- und Chemikalienvorschriften verstoßen, wirksam sanktioniert und bei wiederholten Verstößen vom Markt ausgeschlossen werden."
Quelle: Deutsche Umwelthilfe; Analysebericht des Bremer Umweltinstituts (PDF)





