Pflanzen auf der Insel Mauritius setzen auf farbigen Nektar, um Geckos für ihre Bestäubung anzulocken. Das haben Schweizer Wissenschaftler entdeckt und damit ein Rätsel gelöst, das Biologen schon lange Kopfzerbrechen bereitete: Während nämlich die meisten Pflanzenarten farblosen Nektar produzieren, sind auf Mauritius drei Pflanzenarten mit grell rotem und gelbem Nektar bekannt. An einem Freilandversuch mit wilden Geckos konnten die Forscher nun erstmals zeigen, dass die Geckos farbigen Nektar der farblosen Alternative vorziehen.
Pflanzen wenden jede Menge Tricks und optische Signale an, um Insekten, Vögel und andere Tiere zur Bestäubung anzulocken. Erstmals ist es Wissenschaftlern nun gelungen zu zeigen, dass bestimmte Pflanzen nicht nur mit Blütenform und -farbe, sondern auch mit der Farbe des Nektars ein Signal setzen, das ihre Bestäuber verstehen. Ein Glockenblumengewächs und zwei Malvengewächse, die auf der Insel Mauritius heimisch sind, haben sich mit ihrem farbigen Nektar mit dem Tag-Gecko Phelsuma ornata arrangiert.
Die Forscher um Dennis Hansen von der Universität Zürich boten den Geckos farbigen Nektar auf verschiedenfarbigen künstlichen Blüten als Hintergrund an und fanden dabei heraus, dass beispielsweise roter Nektar in einer roten Blüte keine besondere Anziehungskraft besitzt. Roter Nektar in andersfarbigen Blüten wird dagegen sehr wohl bevorzugt. Die Forscher schreiben daher dem Farbkontrast die tragende Rolle in der Anziehung zu. Tag-Geckos sind selbst ausgesprochen farbenprächtig und kontrastreich, und früheren Studien zufolge spielen bei bestimmten Arten die Farben und Muster der Haut eine wichtige Rolle im Verhalten der Tiere untereinander.
Dennis Hansen und seine Kollegen weisen darauf hin, dass die Pflanzen mit dem farbigen Nektar ein ehrliches Signal für ihre Bestäuber setzen. Selbst aus einiger Entfernung kann der Gecko nicht nur abschätzen, ob eine Pflanze überhaupt Nektar anzubieten hat, sondern auch wie viel von dem Zuckertrank vorhanden ist: Der farbige Nektar bietet damit eine zuverlässige Belohnung für den Bestäuber. Selbst Geckos von einer kleinen Insel, auf der keine Pflanzen mit farbigem Nektar bekannt sind, bevorzugten den farbigen Zuckertrank. Die Wissenschaftler vermuten daher, dass den Geckos die Vorliebe für farbigen Nektar angeboren ist.
Dennis Hansen (Universität Zürich) et al.: Biology Letters der Royal Society, Online-Vorabveröffentlichung, doi: 10.1098/rsbl.2006.0458 ddp/wissenschaft.de ? Christina Schallenberg





