Welche Bedeutung das Verhältnis zwischen Schlagerstar und Fan hat, untersuchte der Vechtaer Psychologe Prof. Dr. Martin Schweer jetzt gemeinsam mit Jens Niederhagen in einer empirischen Studie. Die Ergebnisse zeigen, dass der Fan durch die Identifikation mit dem Schlagerstar ein erhebliches Vertrauen zu ihm aufbaut.
So gaben beinahe die Hälfte der Probanden an, dass sie mit ihrem Star über manche Dinge eher sprechen würden, als mit ihrem besten Freund oder Freundin. Außerdem weisen viele Fans ihren Idolen ähnliche Persönlichkeitsmerkmale zu, wie tatsächlich guten Freunden.
Die Studie zeigt auch, dass viele Anhänger dem Star nicht nur die Persönlichkeits-Struktur geschätzter Personen zuweisen, sondern dass es den Anhängern meist an realen Bezugspersonen fehlt. Im Star finden sie sozusagen ihren Ansprechpartner. Entweder sie schreiben dann dem Schlagerstar besonders geschätzte Merkmale zu oder suchen sich gerade den Star, der diese Werte am deutlichsten vertritt. Bei sozial besser eingebetteten Versuchspersonen, die einen realen Ansprechpartner hatten, spielte dieser Aspekt eine geringere Rolle.
Auch die Schlagertexte bieten eine Identifikations-Basis. Der Fan kann sich häufig mit dem “einsamen” Star identifizieren und findet somit Trost. Es entsteht ein Gefühl des “Verstandenseins”. Viele Schlager vermitteln ebenfalls einen Optimismus für schwierige Lebenssituationen und zeigen scheinbare Auswege und Lösungsmöglichkeiten auf.
Die Studie der Psychologen der Hochschule Vechtahat gezeigt, dass Schlagerstars für ihre Fans eine entscheidende soziale Funktion einnehmen. Auch wenn der Star nur ein unzureichender und imaginärer Gesprächspartner ist, stehen Kompensation für fehlende menschliche Nähe und zwischenmenschliche Kommunikation dabei im Mittelpunkt. (idw)
Jutta Perkert





